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... aus einem eMail-Dialog zwischen Heiko Idensen (hei+Co@hyperdis.de) und Frank Kilian (fhk@gmx.net) zum kollaborativen Science/Fiction "Odysseen im Netzraum"
http://www.hyperfiction.de
die schwere bzw. leichtigkeit solcher schreib- und medieneffekte wurde in der anfangszeit des schreibprojekts in einigen selbst-reflexiven beiträgen deutlich: die metapher des schreib-raumes, des welt-raumes und des daten- & netz-raumes wurde ausgekundschaftet:
Einige MitschreiberInnen fangen einfach damit an, zunächst ihre eigenen Erfahrungen, teils auch das Befremden über das Schreiben im Netz zu artikulieren, z.B. das Zusammenstoßen ihres Kopfes mit dem Internet:
"Crash!
Das erste Opfer der linearen Wortnetzartisten, die nun wirklich ohne Netz und doppelten Boden arbeiten und sich in wunderbarer Ignoranz in jedem nur denkbaren Fallstrick der Sprache verheddern, ist diese selbst. Da fliegen ungebremst Wörter durchs Weltall, die, sofern sie auf Köpfe treffen, mit einem Plop! den Geist aufgeben und eintreten in den ewigen Kosmos der wild durcheinander wirbelnden Buchstaben. "Bodenlosigkeit" lautet das Grundgesetz solch einer Weltstraßenverkehrsordnung, einer Geisterbahn, in der nicht einmal mehr die Bremsen funktionieren müssen. Fahren darf jeder, und wenn er im Wortsinne zehnfingerblind navigiert. Das ist das Autoscooter-Prinzip, nur, dass es beim Aufprall nicht so schön kracht. Der nächste bitte."
Einfach neue Wörter erfinden, wie William Gibson es mit dem Begriff des Cyberspace getan hat? Aber wie schickt man diese Wörter dann auf die Reise, wie können sie wieder in der Welt landen? Sprüht man sie in der Stadt auf Wände, auf Straßen- oder U-Bahnen? ... oder tippt oder kopiert sie direkt in die Eingabemaske der "Odysseen im Netzraum"?
Warum nicht einfach neue Räume erfinden...? ... zum Beispiel einen "Chatraum". Wo existiert der eigentlich? Oder wenn ich an "Weltraum" denke ... Cyberspace"
Wo werden eigentlich diese Vorstellungen geboren und entwickelt ...
Wer antwortet "Im Kopf", hat schon verloren.
Also lasse Person sich bitte was einfallen ... "
Einige Tage später ... Jemand anderes spinnt diesen Faden weiter und schickt die Wörter in einem interstellaren Raumschiff auf die Reise, lädt sie als Projektile auf ...
und dann, wenn die wörter den weltraum ausmessen, wenn sie wie kleine raumschiffe, projekte und projektile ins unendliche schiessen, dann denken sie noch, der wäre unbekannt, der unendliche raum und schwimmen siegessicher voran, dehnen sich aus, rechnen sich aus, wie weit der raum sich noch dehnt, senden daten zurück, von dort, wo sie hergeschossen kamen, um zu berichten, wieviel raum sie schon eingenommen haben, wieviel unbekanntes bekannt wurde. man kann nur hoffen, sie kommen nie an. man stelle sich vor, sie stellten fest, der raum wäre auszumessen. und hätte die form eines eies. "
im weiteren verlauf hat sich dann diese selbst-bezüglichkeit (man schreibt einen text im netz darüber, daß man einen text im netz schreibt, man taucht im interaktiven fernsehen auf und ruft immer nur "hallo - ist dort jemand" in die kamera, man sendet klassische musik, genstrukturen, geschlechterverhältnisse in den weltraum, um eine antwort zu bekommen?) etwas versendet und es entwickelten sich unter den von uns angelegten kapiteln (ein zugeständnis daran, dass es zumindest themenfelder gibt (unsere sieben klassischen kapitel: web- und netzkunst, schmiedekunst/arbeit, schiffahrt, navigaionskunst & kommunikation, gentechnik, alltag, heilkunst /philosophie, schauspielkunst/kunst)) ansätze zu subgeschichten, etwa zum hyperschauspiel oder zu der gerade laufenden expo-themenpark- ausstellung "wissen". das ist aber auch ein beispiel dafür, wie wir die macher durch die konstellation und die konfiguration bereitgestellter materialien *manipuliert* und eingegriffen haben.
es ist also eine irrige vorstellung, das schreiben im netz würde sich völlig frei oder im *luftleeren raum* - auf der sprichwörtlich LEEREN SEITE des einsamen schriftstellergenies - ereignen. es findet geradezu auf übervollen bild-schirmen statt, die immer schon bevölkert sind mit buttons, links, bannerwerbung ... oder eben mit den von uns bereit gestellten cut-up-materialien.
"die netzkritik sollte websites machen, statt zu kritisieren. oder aber netzkritik wie websites machen."
(http://www.rolux.org/starship) ... sagt Sebatian Luetgert, alias Rolux in 'seinem' wunderbaren text "einführung in eine wahre geschichte des internet", in dem er den ebenfalls wunderbaren und wundersamen text "einführung in eine wahre geschichte des kinos" von jeanl-luc godard aus dem jahre 1980 'umschreibt': suchen und ersetzen. ein paar worte und satzteile werden austauscht - und somit wird der subversive subtext vom kontext "kino" auf den kontext "internet" verschoben. diese technik und schreibweise ist dem medium und dem thema gleichermassen angemessen: eine wahre geschichte des kinos/internets kann man nicht schreiben. kino/internet besteht aus bewegten bildern, tönen, aus texten, die hin- und hergeschickt werden, die vervielfältigt, verändert, umkodiert, übersetzt, umgedreht ... werden ...
"mp3 is free, why not txt" (http.//textz.com): "we are the & in copy & paste"
jenseits solcher doch mehr oder minder thematisch angeregter schreib-szenen finden sich die vollends automatisierten inputs: text-fragmente, die gar nicht mehr aus individuellen gedanken und überlegungen einzelner user bestehen, sondern die hauptsächlich durch eine art *stille post* -spiel mit bestimmten netz-funktionen generiert werden: automatische babelfisch-übersetzungen (altavista.com) oder das benutzen von text-maschinen im netz, die eine programmierung von ästhetischen programmen darstellen: cut-up-zerschneide-maschinen, oder die automatischen verknüpfungs-operationen des assoziationsblasters ...