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Bearbeiten/alles mit allem verbinden!


Der immer wieder und vornehmlich von amerikanischen Theoretikern[30] ins Spiel gebrachte utopische Gehalt der Hypertext-Technologie beruht auf der Idee eines 'Docuverse'[31], d.h. eines digitalen Text-Universums mit breit gestreuten Zugangsrechten, einem Transcopyright für Autoren, das nach dem Modell der GEMA-Gebühren für den Rundfunk automatisch` minimale Beträge je nach Zugriffsdauer an die Autoren abführt und, verglichen mit dem exisistierenden WWW, erweiterte Verknüpfungsmöglichkeiten bietet. Der Kern dieses Modells besteht in einer Art Gelehrtenrepublik-Phantasie: die Nutzer sollen die Möglichkeit erhalten, links zu und aus allen möglichen Texten im Netzwerk anzulegen, zu denen sie keine Zugriffsrechte (sondern bisher nur ,Leserechte`) besitzen.
Gerade eine solche Aufhebung der Differenz zwischen Lese- und Schreibrechten auf der Ebene von WWW-Servern wäre der entscheidende Moment einer neuen ,Wissensordnung`, in der die Rolle des Lesers mit der des Autors verschmelzen könnte. Zur Zeit jedoch sind solche ,operativen Rollenverschiebungen` lediglich durch ein 'Hacken' der betreffenden Web-Seiten oder durch spezielle Server-Programme und Routinen möglich, die einen Gast-Zugang - mit Schreibrechten auf spezielle öffentliche Verzeichnisse (ähnlich FTP-Servern) - erlauben.[32] Und doch sind gerade solche Projekte, die das utopische Hypermedia-Konzept zu einem aktiven diskursiven Gebrauchsmedium werden lassen: "Literature is an ongoing system of interconnecting documents." (Nelson 1981, S. 2 ff).[33]


[30] Vgl. zum Beispiel das jetzt in einer überarbeiteten zweiten Version vorliegenden Buch von George P. Landow (Landow 1997), insbesondere das Kapitel The Politics of Accesss: Who Can make Links, Who Decides, What Is Linked? (ebenda, S. 285 f.)
[31] Als Modell für Hypertext Entwicklungen hat Nelsons frühe Vision des universellen und offenen Online-Informationsnetzwerks
<P><A HREF="http://www.aus.xanadu" > "XANADU" </A></P>
die entscheidenden Paradigmen bereitgestellt: Verknüpfung einer Vielzahl von Dokumenten in einem verteilten Netzwerk zu einem globalen Metadokument, Multimedialität sowie objektorientierte Zugriffsweisen.
Weiterführende und kommentierende links hierzu finden sich auf der CD-ROM unter:
weiteren Materialien "XANADU"


[32] Zum Austausch von Dokumenten und teilweise auch zur Korrektur und Diskussion mit den beteiligten Autoren und Autorinnen der diesem Buch beiliegenden CD-ROM wurde ansatzweise die gemeinschaftliche Arbeitsumgebung BSCW

gemeinschaftliche Arbeitsumgebung BSCW

benutzt, die nach einer entsprechenden Registrierung (mail an: idensen@rz.uni-hildesheim.de) auch als Annotations- und Feedback-Medium für die User der CD-Rom freigeschaltet werden kann. Ein öffentlicher Zugriff, allerdings ohne Schreibrechte, ist zu finden unter:

gemeinschaftliche Arbeitsumgebung BSCW (public, ohne Schreibrechte)


[33] Online-Texte zeichnen sich zumeist kaum durch stilistische und rhetorische Brillianz aus. Vielmehr eignet ihnen als einer kontextbezogenen Kunst der Querverbindungen zwischen verschiedenen Ebenen und der Schnelligkeit des Austausches die Fähigkeit, Zwischenräume herzustellen, in denen Textfragmente und -sorten verschiedenster Art intertextell bearbeitet und ,inszeniert` werden können - als Entwendung gelesener Schriften, die neue Bedeutungshorizonte eröffnen.


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