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WISSENSCHAFTSZUNFT


"Der gesamte sog. Mittelbau befindet sich in einer nicht klar definierbaren Zwitterstellung zwischen dem ihm gestellten Qualifizierungsauftrag (Promotion, Habilitation), der Funktion als disponibler Selektionsreserve und eigenverantwortlich durchgeführten Tätigkeiten in Forschung, Lehre und Dienstleistungen, ohne die das Hochschulsystem längst zusammengebrochen wäre. Die gesamte Personalstruktur ordnet sich dabei in arbeits- und statusrechtlicher Hinsicht der auf die Grundlagenforschung und das ideale Leitbild der 'Gesamtvertretung eines Faches in Forschung und Lehre' ausgerichteten Professur unter. Dieses Bild einer zunftförmigen Gemeinschaft von Meistern und Gesellen - mit der Habilitation als individuellem 'Meisterstück' - entspricht zudem immer weniger der funktionalen Differenzierung wissenschaftlicher Arbeit in Forschung, Lehre, Beratungstätigkeit, Wissenschaftsmanagement und -transfer.

Die Problematik ist nicht neu. Schon das legendäre SDS-Gutachten 'Hochschule in der Demokratie' wies auf den Widerspruch zwischen der zunehmend erforderlichen betriebsförmigen Rationalität wissenschaftlicher Arbeitsabläufe und der 'überhöhten Amtsautorität des Lehstuhlinhabers' hin (Nitsch/Gerhardt/Offe/Preuß (1965), 143). Daß dieses Problem heute noch existiert, ist eine politisch zu verantwortende Meisterleistung, ein Ausdruck der Tatsache, daß die Hochschulreformen auf dem Weg einer halbierten Demokratisierung und Rationalisierung steckengebliebenen sind; noch präziser: sie sind zum Teil 'nach hinten' korrigiert worden, indem etwa alle hochschulpolitischen Gesetzeswerke ab Mitte der 70er Jahre die gremienpolitische und statusrechtliche Position der Professoren wieder gestärkt haben (ausführlich: Plander 1986).

Heute scheint ein Punkt erreicht zu sein, daß diese Strukturen halbdemokratisch-technokratisch-oligarchischer Kompromisse, welche die hiesige Hochschullandschaft regulieren, aus sich selbst, d.h. aus dem Kernbereich der sie prägenden Elite kaum noch reproduktionsfähig - ergo auch nicht mehr legitimationsfähig - sind. Ohne folglich aus sich heraus eine Alternative präsentieren zu können, ist das 'System' sturmreif geworden für marktwirtschaftliche Modernisierungsdiksurse und -praktiken. Die Überlast kann umdefiniert werden in ein 'Effizienzproblem'. In dem Maße, wie dabei die Perspektive auf ein betriebswirtschaftlich-funktionalistisches Problemarrangement verengt wird, gerät die wirkliche Effizienzreserve einer aufgabenbezogenen arbeitsteiligen Professionalisierung und Demokratisierung wissenschaftlicher Tätigkeit aus dem Blick."
(Bultmann1997)


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