"Netzkritik[16] ist nicht mehr als eine
bestimmte offene Textform. Sie geht zurück auf eine Gruppenarbeit, auf
Treffen und Mailinglistaktivitäten, auf Papierkrieg und
Softwareentwicklung. Es gibt keine Weise, sich der Netzkritik als solcher 'zu
stellen', sondern man kann sich darin betätigen oder nicht, etwas
hinzufügen, etwas entgegnen oder etwas programmieren; [...] Es geht um
eine bestimmte Umgangsweise mit dem Netz, keine Theorie, sondern eine
Theoriepraxis." (Lovink/Schulz (1997), 5)
[16] Die
nettime Mailing-List
beschäftigt sich mit der Politik der Netzkultur und versucht mittels
kollaborativer Text-Filter-Prozesse Formen der Netzkritik parasitär zu den
Zentren der etablierten Kultur zu etablieren.
Für das Verhältnis Theorie/Praxis spielen die Kulturtechniken der
Netzkultur selbst eine wichtige Rolle: im Bemühen Werkzeuge und Methoden
für 'eine andere kollektive Subjektivität' zu finden entstehen und
zirkulieren Texte in einer Weise, die nichts mehr mit der distanzierten
Lobbyistik etablierter Medientheoretiker (die z.B. Werbung für die Telekom
machen) zu tun hat: schneller, widerspruchsvoller, waghalsiger, wilder,
heterogener, verrückter.
Nettime funktioniert dabei als ein 'sozialer Text-Filter' für eigene und
gefundene Texte, Anfragen, Ankündigungen.
Zu verschiedenen Gelegenheiten (wie Konferenzen, Festivals) werden Aufrufe zum
Einsenden von Texten zu bestimmten Stichworten gemacht, die dann
weitläufig in Umlauf gebracht werden. Es geht nicht um die Ergebnisse,
sondern um die Prozesse.
"100 % anti-copyright - not for commercial use"
Archiv Nettime-Mailinglist
Archiv Nettime-Mailinglist (factory.org)
URL
(Accessed 11.11.1997)
Geert Lovink und Pit Schultz, Grundrisse einer Netzkritik 1996
URL
(Accessed 11.11.1997)
Eine deutschsprachiger Diskurszussammenhang in
netime
bildet
sich erst langsam heraus: URL (Accessed 11.11.1997)