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AUFSCHREIBESYSTEME

"Das Wort Aufschreibesystem [...] kann auch das Netzwerk von Techniken und Institutionen bezeichnen, die einer gegebenen Kultur die Entnahme, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten erlauben. [...] Nun sind zwar alle Bibliotheken Aufschreibesysteme, aber nicht alle Aufschreibesysteme Bücher. [...] Archäologien der Gegenwart müssen auch Datenspeicherung, -übertragung und-berechnung in technischen Medien zur Kenntnis nehmen." (Kittler (1995), 519)[5]


[5] Kittler selbst merkt in einem späteren Nachwort (1995 in der 3. vollständig überarbeiteten Neuauflage des 1985 erstmals erschienenen Bandes) dazu an (es klingt wie eine Vorwarnung, Literatur und Informatik etwa in einem "Informationsmanagement" aufgehen zu lassen):
"Diskursanalysen und Mediengeschichten [...] beliefern mittlerweile [...] das Museum moderner Literatur. Aber Mediengeschichte wäre nur verkappte Nostalgie, wenn sie auf dem Umweg über Schreibzeuge oder Nachrichtentechniken wieder bei Dichterreliquien oder Gedanken ankäme. Sie steht und fällt vielmehr mit der Heideggerschen Prämisse, daß Techniken keine bloßen Werkzeuge sind. Deshalb obliegt ihr auch nicht die beliebte Verlustrechnung, was alles an Schriftsätzen unter heutigen Computerbedingungen (durch Dateilöschung oder Programmabsturz) verlorengehen mag, sondern gerade umgekehrt eine Abschätzung der Effekte, die auftreten, wenn aus der Tiefe von Schaltkreisen und Rechenregeln Schrift selber wiederkehrt. Die Änderungen, die die dritte Auflage erfahren hat, sind schon deshalb technische und institutionelle Präzisierungen. Was jeder Hermeneutik entgeht - der Staat und die Technologien -, bleibt schwer genug anzuschreiben." (Kittler (1995), 523)


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