"Literature is an ongoing system of interconnecting documents."[10]
(Nelson[11] (1981), 2/9 ff.)
[10] Online-Texte glänzen weniger durch
stilistische und rhetorische Figuren oder den Gebrauch metaphorischer
Formulierungen, sondern eher durch kontextbezogene Aktivitäten, durch Hin-
und Herschalten zwischen verschiedenen Ebenen, Querverbindungen, Schnelligkeit
des Austausches - sie thematisieren den Raum zwischen verschiedenen
Text-Fragmenten - inszenieren und bearbeiten intertextuelle Strukturen.
Jeder Text schreibt sich ein in ein intertextuelles Ensemble
künstlerischer / kultureller / formaler / kanonischer / biographischer
Konstellationen.
Jedes Wort produziert Bedeutungen im Kontext der umgebenden sprachlichen
Einheiten - alles Geschriebene ist 'Zitat': Entwendung gelesener Schriften.
Neu ist allein die konkrete Zusammenschaltung sämtlicher Lese- und Schreibvorgänge im Netz - auf einer einzigen Oberfläche. Die Intertextualität der Druckkultur ist eine virtuelle, in literarischen Texten explizit hergestellte, produzierte. Die Intertextualität im Netz ist konkret, flach, pragmatisch, real(istisch), d.h. die Dokumente 'treffen' tatsächlich aufeinander - ein link führt tatsächlich zu einer (oder mehreren) Referenzstelle(n) im selben Text (vgl. Anm.13) oder in anderen Texten.
[11] Als Modell für Hypertext
Entwicklungen hat Nelsons frühe Vision des universellen und offenen online
Informationsnetzwerks
XANADU
(URL;
Accessed 16.10.1997) die entscheidenden Paradigmen bereitgestellt:
Verknüpfung einer Vielzahl von Dokumenten in einem verteilten Netzwerk zu
einem globalen Metadokument, Multimedialität sowie objektorientierte
Zugriffsweisen.
Die Entwickler des WWW beziehen sich in vielfacher Weise auf Nelsons
Entwürfe, während dieser allerdings in der Manier des verkannten
Genies jegliche Ähnlichkeit zwischen dem WWW und seinen Docuverse-Konzept
abstreitet.
Tim Berners-Lee: Ted Nelson and Xanadu
URL
(Accessed 11.11.1997)
Materialien zu Ted Nelsons Docuverse-Konzept (auf der CD-ROM)
Mittlerweile hat die Praxis des WWW die Voraussagen Nelsons einerseits
bestätigt, den praktischen Entwicklungsstand des einstigen Utopisten
selbst dabei aber auch überholt. Nelsons fordert für das 'ideale
Docuverse' eine konsequente Metadokument-Struktur des Gesamtsystems: jeder
Benutzer kann an jeder Stelle des Dokuversums einen eigenen Link anlegen, diese
Verweisstruktur wird zentral verwaltet und garantiert eine universelle
Konsistenz von Adressen und Links - und ermöglicht darüber hinaus ein
zentrales Abrechnungsverfahren.
http://hoshi.cic.sfu.ca/~guay/Paradigm/History.html
gibt einen sehr fundierten Überblick über die historischen Entwicklungen des Web-Konzepts aus den verschiedensten Quellen (Bush, Nelson, Engelbart, CERN) nebst medientheoretischen Hintergrund (Mc Luhan, Landow).
WEB Publishing Paradigms by Tim Guay (auf der CD-ROM)Ein CGI-Script, das eine neue Zitierweise im Netz ('Transclusion')
ermöglicht, findet sich unter:
http://reality.sgi.com/grafica/merge/
(Accessed 11.11.1997)
Ein universelles Annotations-Tools bietet der
CritLink Mediator