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Christoph Tholen
Vorwort
Der vorliegende Band versammelt ausgewählte und überarbeitete Beiträge des internationalen Kongresses Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien, der vom 4. - 7. September 1997 in Kassel während der documenta X stattfand, ergänzt durch weitere Texte, die die medien- und kunsttheoretischen Fragestellung dieses Bandes bereichern. Für die Konzeption und Durchführung des Kongresses zeichnen das Wissenschaftliche Zentrum für Kulturforschung der Universität Gesamthochschule Kassel (d.h. das im interuniversitären Projektverbund `Theorie und Geschichte der Medien' angesiedelte und von G. C. Tholen geleitete Projekt `Die symbolische Ordnung von Zeichen und Maschinen') und der Studiengang Kunstwissenschaft/ Kunstpädagogik des Fachbereichs Kulturwissenschaften der Universität Bremen (Sigrid Schade) verantwortlich. Als Veranstalter war zudem die Muthesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung Kiel (Hubertus v. Amelunxen) beteiligt. Zu den weiteren Mitveranstaltern gehören die Forschungsprojekte `Interfiction' (Herbert A. Meyer) und `Intermedialität' (Karin Wenz / Friedrich W. Block), beide Universität Gesamthochschule Kassel, sowie die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk, Kassel. Als Kasseler Kooperanden, ohne die die multimedialen und künstlerischen Beiträge des Kongresses keinen angemessenen Ort gefunden hätten, sind zu nennen: die Bali-Kinos, das Kulturamt der Stadt und das Kulturhaus Dock 4.
Zwei Schwerpunkte bildeten den thematischen Horizont des Kongresses, die in der Publikation und der inliegenden CD-ROM beibehalten wurden: Zum einen soll Auskunft gegeben werden über den aktuellen Forschungsstand der Theorie und Geschichte analoger und digitaler Medien - von der Photographie über den Film, das Radio bis zum Computer und seiner hypermedialen Peripherie - aus einer kulturhistorischen Perspektive. Zugleich aber gilt es, ausgehend von der inzwischen mit historischem Blick geschärften Einsicht in die kulturprägende Funktion der Medien auf künstlerische und gesellschaftliche Sichtweisen und Lebensstile, die Kulturwissenschaften und die Künste selbst darauf hin zu befragen, ob und inwieweit sie ihre eigene medialen Rahmenbedingung als blinden Fleck oder als maßgebenden und -verschiebenden Ort der Einbildungskraft reflektieren. Daß diese - auch in methodologischer Hinsicht - neuartige Fragestellung, der die hier versammelten Beiträge sich widmen, nur in einem transdisziplinären Dialog unterschiedlicher Kulturwissenschaften Sinn macht, versteht sich (beinahe) von selbst: Ohne vergleichende Analyse der je eigenen symbolischen Ausdrucksformen, Denkstile und Gestaltungsweisen, die die Literatur, die Photographie, die bildende Kunst, das Theaters und die Musik usw. auszeichnen, lassen sich kaum nennenswerte Hypothesen über den in medientheoretischer Hinsicht noch unausgeloteten Zwischenraum der digitalen Technologie bilden.
Gerade die nicht nur in technologischer Hinsicht bedeutsame Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Medien ist es, die einen in ästhetischer wie kulturwissenschaftlicher Hinsicht ebenso experimentierfreudigen wie gestalterisch prekären Raum der scheinbar grenzenlosen Vermischung herkömmlicher Darstellungsweisen (einschließlich ihrer Theoriebildung) eröffnet hat. So wie es in den `Geisteswissenschaften' angesichts der sich beschleunigenden Entwicklung des digitalen Medienverbunds nicht mehr verpönt ist, nach den medialen Bedingungen von Literatur und Kultur und den historischen Grenzen ästhetischer Konzepte (Mimesis, Genie- und Autorfunktion usw.) zu fragen, ist auch im Diskurs der Kunst selbst das Problem, wie man die - im Sinne phänomenologischer Ästhetik bzw. An-Ästhetik nicht zuletzt medientechnisch vor-gegebenen - Grenzen des jeweils `Sichtbaren und Unsichtbaren' selbst wiederum exponieren und verschieben kann, ein vorrangiges geworden. Die Reflexion über die veränderte Funktion der Bildlichkeit in einer auch medial sich globalisierenden Weltordnung, die nicht von ungefähr in den konzeptuellen Überlegungen der documenta X ihren Niederschlag fand, ist heutzutage Ausgangspunkt der künstlerischen Frage. Die Experimente im Feld der Photographie, des Films, des Theaters, der Musik, der poetischen Narration, der Video- und Performance-Kunst, aber auch der Netzkultur, erkunden den Raum der Medialität als den der Fragmentarisierbarkeit, d.h. der Unterbrechung phantasmatisch abgeschlossener Welt- und Anschauungsbilder. Diese tastenden (ebenfalls in diesem Band zu Wort kommenden) Versuche sind insofern Wahlverwandte des digitalen Samplingverfahrens, als sie wie das technische Verfahren selbst gewohnte (kommerzielle wie ästhetisch normierte) Hör- und Sichtweisen re-präsentierbar, zitierbar und dadurch für neue Formsprachen und Präsentationsweisen ver-wendbar machen. Mit den Optionen der digitalen Manipulierbarkeit stehen neben der Umgestaltung musealer Archiv- und Ausstellungsformen auch ästhetische wie kulturwissenschaftliche Bildungs- und Ausbildungsprozesse zur Disposition. Auch diesem Umgestaltungsprozess widmen sich einige Beiträge dieses Bandes.
Die vorliegende Publikation scheut sich nicht, die hybriden Möglichkeiten der multimedialen Entwicklung auch der Form nach ins Spiel zu bringen: Die von uns gesuchte Korrespondenz zwischen Buch und CD-ROM ist - wie vergleichbare auch -eine im strikten Sinne experimentelle. Der `Leser' der CD-ROM findet dank der Speicher- und Verweisungsmöglichkeiten, die die CD-ROM bietet, eine Vielzahl von Beiträgen mit unterschiedlichen Dateiformaten: farbige Bilder, Video- und Audiosequenzen. Das Konvolut der Textbeiträge auf der CD-ROM beinhaltet neben einigen Lang- und Originalfassungen von Kongressvorträgen Beiträge, die aus Platzgründen nicht in das Buch aufgenommen werden konnten, Interviews zum Thema, weiterführende Texte und vielfältiges Anschauungsmaterial, das die Beiträge erläutern hilft aber auch - der assoziativen Logik von links vielleicht angemessen - von ihnen wegführen kann und soll. Für die ihrerseits vielfältige Benutzerführung der CD-ROM ist konzeptuell und herausgeberisch Heiko Idensen als Leiter des Forschungsprojekts `Netzwerk-Kulturtechniken', Universität Hildesheim, verantwortlich. Wir möchten ihm und seiner engagierten Arbeitsgruppe, die unser Projekt seit Kongressbeginn mit DAT-Recordern, viel Geduld und Humor begleitet hat, ganz besonders danken.
Für die finanzielle Unterstützung des Kongresses danken wir - auch im Namen der Mitveranstalter - dem Präsidenten der Universität Gesamthochschule Kassel, Herrn Prof. Dr. Hans Brinckmann, der Universität Bremen, der Muthesius-Hochschule für Gestaltung Kiel, dem Kasseler Hochschulbund, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Dank gebührt auch den Sponsoren, von denen wir hier nur einige aufzählen können: dem Ramada-Hotel, dem Hotel Gude, dem Hotel Mercure, dem Schlosshotel Wilhelmshöhe, der Bernecker Mediagruppe, der Binding-Brauerei, der EAM und der Firma Renault Behrens. Aus der großen Gruppe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Kongreß konzeptuell, gestalterisch und organisatorisch mitbetreut haben, können wir hier, ebenfalls aus Platzgründen, nur einige - stellvertretend für alle - nennen: Michael Scholl, Matze Schmidt, Andrea Schmidt, Sascha Pogacar, Brigitte Dithmar, Hannelore Lenz, Heidi Eickmann, Petra Maier, Holger Kramer.
Für die großzügigen Druckbeihilfen, ohne die dieser Band nicht hätte erscheinen können danken wir: dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, dem Kanzler der Universität Bremen, dem Wissenschaftlichen Zentrum für Kulturforschung der Universität Gesamthochschule Kassel und dem Projekt `Netzwerk-Kulturtechniken' der Universität Hildesheim. Danken möchten wir sodann allen, die in geduldiger Mitarbeit die Fertigstellung der Publikation ermöglicht haben: vorab den Autorinnen und Autoren, den Übersetzerinnen und Übersetzern Karin Wenz, Stefanie Sievers und Friedrich W. Block, für die Mithilfe bei Übersetzungen Corinna Hübner, ferner für die redaktionelle Mitarbeit bei der Textbearbeitung Sabine Flach, für die Mithilfe bei der Texterstellung und -korrektur Renate Kahl, Petra Maier und Martin Dorr, für die Textlayoutierung [xx] Schwarz und nicht zuletzt Raimar Zons, Fink-Verlag, für die sachkundige Lektorierung.
Die Herausgeber |
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