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Konfigurationen zwischen Programm und Programmatik
oder: die Entstehung von Gedanken beim Editieren ...
Vor dem Kongreß versuchten wir, auf der Basis von Abstracts und einschlägigen Texten der beteiligten AutorInnen, Pfade durch das Programm zu schlagen, Pläne, Mappings und thematische Felder abzustecken, mittels derer wir die Dokumentation in Angriff nehmen konnten:
Wir versuchten Kontextualisierungen, machten Randbemerkungen zu den Programmschwerpunkten und entwickelten (nächst einmal zuimaginäre) Fragen an die Vortragenden - als Vorbereitung für Interviews.
Es kam dann ganz anders ...
Die umherschweifenden 3 Teams (Video-, Audio- und Interview-Team) waren immer zu spät, meistens am falschen Ort ...
Wir hatten fast das Gefühl, vom Kongreß nichts gesehen und gehört zu haben, dadurch daß wir immer dabei waren, irgendwelche Aufzeichnungsgeräte anzuschalten.
Ist auch die Aufnahmefunktion aktiviert? Wie ist die Aussteuerung? Reicht das Band noch für die Diskussion?
Trotzdem hatten wir schließlich dem Kongreß entnommen[1]: 12 Stunden DV-Videocasetten, 15 Stunden DAT-Aufnahmen und 6 Interviews (anstatt der 13 ursprünglich geplanten).[2]
Konfigurationen zwischen Vortrag und Interview
An der Transkription der 6 Interviews probtem wir gleichzeitig unsere Indizierungs-Phantasien und entwickelten dabei ganz pragmatisch ein recht einfaches Verfahren, in einer Arbeitsgruppe mit recht unterschiedlichen Teilnnehmern arbeitsteilig eine Vielzahl von Texten zu indizieren:
in verschiedenen Duchgängen / Leseprozessen wurden die Texte zunächst in Standard-Text-Programmen auf unterschiedlichen Rechnerplattformen mit Indexeinträgen versehen, die dann am Ende durch ein einfaches aber sehr effizientes (Public-Domain-) Programm (RTF-to-HTML, verfügbar für Dos, Windows, Macintosh, Unix) in HTML-Dokumente mit alphabetisch aufgespaltenem Indexverzeichnis (siehe das thematische Index-Verzeichnis!) umgewandelt und dem generellen HTML-Interface stilistisch angepaßt wurden.
Konfigurationen zwischen Form und Inhalt
Lange wüteten die Diskussionen in der Arbeitsgruppe, ob alles in HTML umgesetzt wird (wegen Plattformunabhängigkeit und Unabhängigkeit von den singulären Standars einzelner Multimedia-Autorenprogramme) - oder ob parallel zum HTML-Interface eine eher auf multimedialen Aktionen und Events ausgerichtete Oberfläche gestaltet werden sollte.
Wir enschieden uns, eine Sub-Arbeitsgruppe "Dokufiction" zu bilden, die versuchen sollte, die Oberflächen und Interfaces von Betriebssystemen und Anwendungs- und Kommunikationsprogrammen, den sogenannten Standard-Tools des Denkens, auf die Materialien des Konfigurationen-Kongresses zu projizieren - und umgekehrt.
Was sind die Interfaces der Theorieproduktion?
Wie beeinflussen die postmodernern Kommunikations-Medien die Content-Ströme von MedientheoretikerInnen, Medienkünstlern und Normalusern.
Konfigurationen zwischen Texten und Kommentaren
Gleichzeitig wiesen wir diesem Docufiction-Interface die gefährliche diskursive Funktion zu, aus der Distanz eines durch und durch künstlichen und dummen Interface-Agenten, die Aussagen der Vortragenden zu kommentieren, zu persiflieren und zu ironisieren.
Falsch gedacht?
Wer spricht, wer schreibt, wer liest, wer kommentiert, wer dokumentiert?
(Wir schließen uns da keinesfalls selbst aus.)
Das Interface als ironische Distanz zum vermeindlich `dokumentarischem' Charakter glatter digitaler Dokumente?
Dieser Ansatz zeigt schon im Vorfeld seine Wirkung: nach Previews vor betroffenen Medientheoretikern hagelte es Vorwürfe wie:
"pubertäre Witze", "ungezügelte und destruktive Aneignung", "bloße Destruktion", "Hohn auf die Mühe von Autorinnen und Autoren" ...
Materialien wurden zurückgezogen.
Wir bitten die BenutzerInnen der CD-ROM um Feedback über dieses Form/Inhalt -Spagat.
Eine Fortsetzung der Form/Inhalt-Debatte im Netz ...
http://exp.psychologie.uni-kassel.de/forum/boards/hyperheik/wwwboard.html
Konfigurationen zwischen Buch und CD-ROM
Konzeptuell geplant war zusammen mit den HerausgeberInnen des Tagungsbandes eine Hybrid-Produktion zwischen Gutenberg-Galaxis und digitalen Diskursen, mit wechselseitigen Bezügen zwischen Buch und CD-ROM.[3]
Ein entsprechender Aufruf erging an die Vortragenden des Kongresses mit der Aufforderung, weitere Materialien (Texte, Textauszüge, Bilder, Videoausschnitte, Audiodokumente ...) für die CD-ROM einzusenden.
Zur Deadline (ein gutes halbes Jahr nach dem Kongreß: 30.April 1998) waren kaum Materialien eingegangen.
Die Docufiction-Arbeitsgruppe mußte deshalb auf Textausschnitte aus Vor-Versionen der Texte zurückgreifen (ZITAT.htm) ...
Unsere großén Pläne, einen ausführlichen Sachindex auf der CD-ROM anzubieten, der einen wahlfreien thematischen Zugriff auf Textstellen im Buch ermöglichen sollte, war wegen der enormen Terminverschiebungen leider nicht mehr zu realisieren.
Eine Hypertext-Version dieses Sachindexes, den wir - allerdings ohne dezidierte Rücksprache mit den HerausgeberInnen des Buches - schließlich aus den korrigierten Texten des Tagungsbandes noch erstellt hatten, mußten wir leider wieder löschen, da u.a. seitens der Buch-HerausgeberInnen die Befürchtung bestand, der Tagungsband würde sich schlechter verkaufen, wenn (fast) alle Texte auch im Hypertext-Geflecht der CD-ROM zu finden wären.
Diese Auffassung teilen wir nicht.
Für uns ist die Konsequenz vielmehr, daß wir bei zukünftigen Projekten sicherlich auf diese Art und Weise nicht mehr mit (Wissenschafts-) Verlagen zusammenarbeiten werden, sondern vielmehr gedenken, Texte im plattformübergreifenden PDF-Format auf CD-ROMs (zusätzlich zu den digitalen Hypertexten) anzubieten, so daß sie von den BenutzerInnen bei Bedarf ausgedruckt werden können.
Auch Publishing on demand- Modelle und annotierbare Text-Veröffentlichungen im Netz sind weiterzuentwickeln.
Auch ökonomisch ist eine fast 10-fache Aufwendung für Verlagszuschüsse (verglichen mit einer CD-ROM-Produktion) bei der so geringen Stückzahl in unseren Augen schwerlich zu rechtfertigen.
Da die AutorInnen - bis auf wenige Ausnahmen - keine zusätzlichen Materialien einsandten und somit auch keine zusätzlichen Verweise zur CD-ROM in ihren Texten vornahmen, wurde leider der usprüngliche Plan, vom Tagungsband innerhalb eines Marginalienrandes auf die CD-ROM zu verweisen, fallen gelassen.
Ein somit größtenteils leerer Marginalienrand hätte die Seitenzahl (und somit die Kosten) um fast 1/3 der Druckkostenzuschüsse erhöht ...
Macht Anmerkungen (im Netz!) - keine Kopien (von Büchern)!
Konfigurationen zwischen Theorie und Theorie
"Da bleibt nur der Appell an den Leser, das Buch im Akt des Lesens umzuschreiben. Denn wie anders kann man komplexe Sachverhalte zeigen, die nich mit einem Blick faßbar sind. Wir sind beim Thema: Simultanpräsenz des Komplexen in Sprache. Auf der Ebene der Theorieform handelt es sich um das Problem der Integration verschiedener Forschungsansätze, auf der Ebene der Darstellungsform geht ews um die Vertextung einer Argumentation, die weder linear noch zirkulär, sondern als strange loop prozediert.
`Es gibt keinen voraussetzungslosen Anfang un dkein erkennbares Ende. Die Selbstlimitierung nimmt im Nachvollzug der internen Interdependenzen zu, zugleich entstehen aber Querperspektiven und neue Abstraktionsmöglichkeiten, die das Erreichte wieder in einen unfertigen Zustand versetzen. All dies macht eine Präsentation mit klassischen Mitteln, etwa der sequentiellen Form eines Buches, schwierig.' (Luhmann)
Gesucht wird also ein Medium simultanpräsenter Darstellung:
`Schön wäre es, wenn man diese leicht labyrinthische Theorieanlage in Büchern abbilden könnte, die sozusagen zweidimensional angelegt sind, also mehrere lesewege eröffnen.'
Für Luhmann muß das ein Traum bleiben, weil man in Buchformm einen Text ja nicht unterschiedlich, nämlich je nach dem gewählten Leseweg, arrangieren kann.
Eben diese Möglichkeiten aber eröffnen Hypermedien ...
sie arbeiten mit many-to-many-Relationen. Und hier zeichnet sich nun eine für jene komplexe Theorie des Komplexen entscheidende Oimplementierungsmöglichkeit ab: Elaborierte Hypermedien werden mit second-order-links operieren, d.h. also mit links-to-links.
Damit wäre ihre Software-Struktur aber identisch mit der Theorie-Struktur komplexer Sachverhalte: Relationen von Relationen.
Hypermedien ... integrieren heterogenstes Material, operieren auch fuzzy ... prozessieren paralllel und `konnektinistisch' und können deshalb ideale brainstorming tools bereitstellen."[4]
Konfigurationen zwischen Desktop und Papierkorb?
Niemals vor dem Brennen vergessen, den Papierkorb zu leeren!
Wir haben diese Warnung, die die Brennsoftware immer wieder ausgibt, willentlich ignoriert.
Für uns waren in gewisser Weise vielleicht sogar die Dokumente, die im Papierkob landeten, die wichtigsten.
Aber es kommt noch besser:
Durch Übertreibung und geschickte Kombinatorik können wir auf der CD-ROM sogar Vorträge anbieten, die auf dem Kongress gar nicht gehalten wurden!
Wir haben ja niemals behauptet, wir würden den Kongress abbilden (etwa in Form einer Realsatire oder eines Dokumentenanhanges zum Tagungsband, der lediglich als eine multimediale Erweiterung der flachen Buchtexte funktioniert.
[6]
(wenn Sie diesen Text verlassen möchten, und ungestört durch Begründungen und Erklärungen den Papierkorb explorieren möchten, öffnen Sie bitte den Papierkob:

Wenn Sie nichts tun wollen, ohne zu wissen, warum, dann lesen sie bitte weiter!
Keine Angst, wir sind nicht immer so didaktisch! Oft wechseln wir den Kontext auch ohne Vorwarnung ...
Konfigurationen zwischen Theorie und Recycling?
Texte und Fragmente aus dem Papierkorb werden als Futter für eine Text-/Theorie-recycling-Programm benutzt:
Einzelne Theoriezellen-Satzteile werden abgespalten und nach Markov-Ketten-Algorithmen wieder neu zusammengesetzt.
Benutzt solche Textgeneratoren nie zur Produktion von Dissertationen, Forschungsberichten oder Bewerbungsschreiben!
Der Text wird (ganz im Gegensatz zu den Schreibspielen der Surrealisten oder den Dadaistischen Wortmaschinen!) nicht mehr so sein wie ihr. Er wird anders, fremd, viral .. und Vorsicht! Wahrscheinlich gilt für solche Textkompilationen kein Copyright!
Wer ist der Autor solcher Texte?
(Da manche Passagen aus den ausholenden Vorträgen des Kongresses immer noch zu lang erscheinen für eine nicht akademische Leserschaft, setzen wir zur Komplexitätsreduktion zwischendurch immer wieder die "automatische Zusammenfassung"eines bekannten Word-Prozessors ein (mit 10 % Eindampfungsfaktor) ein.)

Konfigurationen zwischen Schreiben und Lesen
Die vorliegende CD-ROM ist - wie jeder Hypertext - nicht fertig, unabgeschlossen.
Wir haben weitere (Hypertext-, Hypertheorie und Medienkunst-) Projekte auf der CD-ROM versammelt, die noch einmal andere Akzente setzen im Bereich Netz/Werk/Kultur als die auf dem Kongreß versammelten künstlerischen Projekte.
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten noch einmal ganz herzlich für die Zusammenarbeit ...
... und sind gespannt, ob die LeserInnen und/oder UserInnen von Buch und/oder CD-ROM etwas neues zwischen den Buchseiten und/oder zwischen den Interfaces auf dem Bildschirm
entdecken ...[5]
Don't read it!
Feed it!
Arbeiten die AutorInnen schon so wenig mit bei der Konvertierung ihrer Texte in den digitalen Raum, so haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, daß vielleicht die Leser ...
... einerseits Gefallen finden an der `Doppelzüngigkeit' dieser CD-ROM ...
... zwischen Programm und Programmatik
... zwischen Vortrag und Interview
... zwischen Form und Inhalt
... zwischen Texten und Kommentaren
... zwischen Buch und CD-ROM
... zwischen Desktop und Papierkorb
... zwischen Theorie und Recycling
... zwischen Schreiben und Lesen
... und andererseits vielleicht wirklich selbst Annotationen, Kommentare, Kritk zu Texten, zum Konzept, zur Docufiction, zu den Theorieansätzen schreiben wollen ...
... jetzt nicht am Marginalienrand des Buches (den es nicht mehr gibt), sondern direkt ins das WWW-FORUM zu den Konfigurationen zwischen Absturz und Wirklichkeit ...
http://exp.psychologie.uni-kassel.de/forum/boards/hyperheik/wwwboard.html
oder
auf der kollaborativen Arbeitsoberfläche (BSCW, bei der GMD) ...
BSCW:anonymous-login: Dokumente & Diskussionen zum CD-ROM/Buch-Projekt "Konfigurationen zwischen Absturz und Wirklichkeit"
Februar 1999
Heiko Idensen
idensen@rz.uni-hildesheim.de
[1] Konfigurationen zwischen Aufnahme und Wiedergabe
Das Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken und die Wiedergabe- und Aufnahme-Technik scheint sich niemals neutral zu den Inhalten zu verhalten.
The Medien morphen die Messages, massieren die Maße und die Massen ...
So wurden etwa die Audio-Aufnahmen aus den oft sehr interessanten kleinen Panels (z.b. Vera Kunis "Feministischer medienpraxis") u.a. deshalb technisch so schlecht, weil hier am "Rande" nicht die ausgefeilte Akustik eingesetzt wurde wie im dunklen Saal des Bali-Kinos am "Kulturhauptbahnhof" - Umschlagplatz und Zentrale für die Projektion der "Hauptredner" und Meisterdenker.
Auch der "Sommer der Netzkritik" mit Geert Lovink und Pit Schulz geriet im sengenden Licht eines HbK-Saals mit maximalem Abstand zum Publikum und gnadenloser Frontal-Bühne eher zu einem gefaketen Dokumentar-Spot aus der rumänischen TV-Revolution, anstatt zu einer Vortrags- und Diskussions-Runde. Die provokanten Thesen zur Institutionskritik und zur Kritik an der High-Tech - Forschung und -Medienkunst liefen etwas ins Leere und provozierten lediglich Verteidigungs-Reden anwesender dynamsicher Jung-Akademiker.
[2] Nichts geht verloren, alles ist aufgezeichnet.
Erst später konnten wir auch die Last eines solchen digitalen Archivs einschätzen:
selbst Materialien auf digitalen Datenträgern verlangen durchaus analoge linerare Zeit zum Abhören und Anschauen, zum Indizieren und digitalisieren. Erst wenn es schließlich in den entsprechenden Formaten im Computer vorliegt, ist der Zugriff in einer Weise möglich, daß vielfache Verknüpfungen, Kontextualisierungen und Sichtweisen möglich werden.
[3] "Solche nichtlinearen Strukturen des Datenmanagements erzeugen natürlich eine viel höhere Verknüpfungsdichte , als dies in Büchern je möglich wäre. Darauf reagieren Bücher recht hilflos mit den schon erwähnten strange-loop- und Labyrinth-Techniken, mit Spezialzeichen, die Aufmerksamkeit steuern und Textstufen indizieren sollen - oder eben damit, daß Disketten eingeklebt werden. Mit solchen hilflosen Gesten tastet die Gutenberg-Galaxis nach den Möglichkeiten des docuverse. Erst Hypermedien ermöglichen aber, was bisher nicht implementierbar war: das browsing between media." Norbert Bolz: Zur Theorie der Hypermedien, in: Jörg Huber, Alois Müller (Hg.) Raum und Verfahren, Basel, Frankfurt am Main 1993, S. 20,21
[4] Bolz 1993, S. 19, 20
[5] "Ginge es nach er Logik der Hypersysteme, so würde die neue Textgesellschaft - es war Ted Nelson, der sie docuverse genannt hat - entschlossenen Abschied nehmen vin privaten, diskreten Dokumenten und sich in der `freien Rede' unendlicher (Re-)Kombinationen von fragment showers of information entfalten. Doch auf absehbare Zeit wird es schon deshalb immer noch `Autoren' geben, weil die kapitalistische Spezifikation des Projekts Textgesellschaft auf dem copyright bestehen muß. Piraterie wird zum Schlüsselproblem. Deshalb - und nicht etwa aus technischen Gründen - müssen etwa CD-ROMs bleiben, was sie heißen: eben read only memories. Die Frage nach Autorenschaft, Copyright und Piraterie markiert den entscheidenden Verzweigungspunkt zwischen closed und compound hypermedia." (aus gegebenem Anlaß: kein Zitatnachweis!)
[6]
(frei nach dem Motto: die rhetorischen Gesten und die Denkakrobatik der Vortragenden auf dem Bildschirm betrachten, während man sich die entsprechenden Texte aus dem Tagungsband vorlesen läßt ...)
Ganz im Gegenteil!
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