Kongressplanung der CD-ROM-Gruppe

Gesamtplan und Konzept
Donnerstag, 4. September 1997
Freitag, 5. September 1997
Samstag, 6. September 1997
Sonntag, 7. September 1997

Donnerstag, 4. September 1997
Do 13.30 Uhr: Georg Christoph Tholen: Einleitung: Zur Interferenz der Medien
Do 14.00 Uhr: Sigrid Weigel: Spuren der Abwesenheit: Zum Liebesdiskurs in post-postalischen Medien
Do 15.00 Uhr: Samuel Weber: Virtualität der Medien
Do 17.30 Uhr: Wolf Kittler: Bomben Genauigkeit
Do 20.30 Uhr: Der Ort der Medien und die Frage nach der Kunst
Do 23.00 Uhr: Videoprogramm:
Knowbotic Research Klonaris/Thomadaki


Donnerstag, 4. September 1997

Do 13.30 Uhr: Georg Christoph Tholen: Einleitung: Zur Interferenz der Medien

*Inwieweit ist die "Medienverschiebung", von der er spricht, in seiner Theorie selbst (nicht in seinen Themen) präsent und wirksam?
*Inwieweit ist das Wissen über die Medien als ein mediales Wissen, als durch die Medien Wissbares in der Art und Weise seines Denkens gegeben?
*Welche sind seine medientheoretischen blinden Flecken?
Bali-Kinos

Was in Medien erscheint, sind andere Medien. Mit dem Computer und der global-elektronischen Welt gewinnt diese populär gewordene Diagnose McLuhans an Plausibilität. Die im Vergleich zu vormaligen Medien gesteigerte Zweckoffenheit des Computers als universellem Medium verändert unser Verständnis des Technischen: Wir fragen nun nicht mehr nur nach dem instrumentellen Fortschritt und sinnvollem Gebrauch von Werkzeugen, Apparaten und Maschinen. In den Fokus der Aufmerksamkeit rückt vielmehr die durch Medien gegebene Prägung und Veränderung gesellschaftlicher, kultureller und ästhetischer Formen und Strukturen der Kommunikation. Die desillusionierende Einsicht, daß es keine unmittelbare, natürliche Wahrnehmung gibt, sondern eine stets schon medial konfigurierte und eingerahmte, entwickelte Walter Benjamin am Übergang von der Photographie zum Film. Doch die kulturkritisch registrierten Schock-Sequenzen, die stets mit den Sprüngen und Übergängen in der Medienevolution einhergingen, verlieren zunehmend ihre vertrauten Orientierungsmuster: Weder melancholische Verlustklagen noch werbewirksame Technikeuphorie helfen uns, die Ursachen und Folgen der digitalen Technologie hinreichend zu begreifen. Das »richtige« Maß der Medien und ihrer Verwendung scheint unentscheidbarer geworden zu sein, wenn mit dem digitalen Prinzip der Reproduzierbarkeit, Repräsentierbarkeit und Simulierbarkeit von Medien der virtuelle Zwischenraum medialer Verwendungen selber Thema wird. Doch von dieser seltsamen Disponibilität des Medialen ausgehend, lassen sich genauer die historischen Grenzen und (ungleichzeitigen) Verschiebungen medienspezifischer Formen des Wissens, der Erfahrung und der künstlerischen Gestaltung verorten. In historischer wie systematischer Perspektive zeigen sich so Interferenzen, also Überlagerungserscheinungen von Medien und Diskursen über Medien. Solche - um im Bild zu bleiben - Phasendifferenzen und Störfelder im Umgang mit den Medien markieren blinde Flecke in der Medientheorie und -geschichte, aber auch in der Mediengestaltung und Medienkunst. Wie begegnen sich alte und neue Medien? Was ist der Fragehorizont einer Kultur- und Kunstwissenschaft, die den ästhetischen, kulturellen und politischen Spielraum und Bedeutungswandel multimedialer Formen der Darstellung und Kommunikation nach- und aufzuzeichnen sich bemüht?
Vortrag in deutscher Sprache


Do 14.00 Uhr: Sigrid Weigel: Spuren der Abwesenheit: Zum Liebesdiskurs in post-postalischen Medien

Bali-Kinos
*Ist die zeitweilige (oder theoretische Möglichkeit einer) Abwesenheit die Voraussetzung für das Begehren - aber auch Er-Finden (auch von Theorie, Kunst, Wissenschaft)? *Was bedeutet dann eine ständige Präsenz und/oder totale Verfügbarkeit?
*Wieviel Liebe und wieviel psychoanalytisch therapeutische Zuwendung braucht die Medientheorie, um ihren Pathologien entkommen zu koennen?

Thomas Schütt


Do 15.00 Uhr: Samuel Weber: Virtualität der Medien

Bali-Kinos
*Verbalisierung in/durch sprachliche Wendungen/ Ausdrücke, die mit künstlerischen Figuren/ Ausdrucksformen zu vergleichen sind?
G:*Ist Medientheorie eine "Thematisierbarkeit" der Medien, verhält sie sich also virtuell zu ihrem Gegenstand oder ist sie ein Flanieren, Schwadronieren etc. durch den Mediendschungel?
G:*Oder liegt gar kein Unterschied vor und die flanierende, stolpernde, kriechende, stolzierende etc. Medientheorie virtualisiert sich gegenueber den Medien, ihren Handhabungen und ihren Dispositiven?

Keiner hat sich jenen »Konfigurationen zwischen Kunst und Medien« produktiver gewidmet als Walter Benjamin. Doch sein Interesse an »Medien« setzt nicht erst mit der Wendung zu den neueren Medien der Photographie und des Films ein. Vielmehr entsteht es aus seinem Ringen mit der philosophischen Ästhetik und der künstlerischen Praxis, die üblicherweise zur »vormedialen« Epoche gerechnet werden. Symptom dieses Entstehens ist die Neigung Benjamins, entscheidende Begriffe als »-barkeiten« zu formulieren: Mitteilbarkeit, Kritisierbarkeit, Übersetzbarkeit, Zitierbarkeit, Reproduzierbarkeit, Erkennbarkeit. Diese »-barkeiten« verhalten sich zur traditionellen Begrifflichkeit wie die Medien zur Wirklichkeit: nämlich »virtuell«. Was aber heißt hier »virtuell« und in welchem Verhältnis steht es zu Aktualität, Realität, Möglichkeit und Vermögen? Und wie verhält sich die -barkeit der Medien, so wie sie sich bei Benjamin artikuliert, zu den Medien, mit denen wir es hier und heute zu tun haben?
Vortrag in deutscher Sprache

Do 17.30 Uhr: Wolf Kittler: Bomben Genauigkeit

Bali-Kinos
*Nach welchen Kriterien richtet sich das Erkennen von

Strukturen /Mustern? artifizelles Tun? apriorisches und subjetives Gesteuert-Sein?



Mariella Mosler: Ornament aus Sand


Photographie und Luftfahrt, schon in ihren Anfängen eng verknüpft, erobern einen neuen Raum, in dem die seit der Renaissance gültigen Formen der Wahrnehmung keinen Platz mehr finden. Der technisch reproduzierte Blick von oben ist nicht mehr apriorisch gelenkt von den Gesetzen der Projektionsgeometrie, er richtet sich nicht mehr auf Landschaft, sondern vielmehr auf die Erkennung von Strukturen: pattern recognition. Sehen und lesen werden eins. Die Entstehung einer Luftwaffe zum Schutz der Luftaufklärung im ersten Weltkrieg, und dann Blindflug, Peilfunk, und Radar im zweiten Weltkrieg erfüllen diesen Raum mit unsichtbaren Zeichen und deutlich sichtbaren Simulakren. Das Werk des gewesenen Sturzkampffliegers Josef Beuys zeugt davon ebenso wie die Stadt Kassel.
Vortrag in deutscher Sprache

Podium I - Rathaus:

Do 20.30 Uhr: Der Ort der Medien und die Frage nach der Kunst

(Tholen, Lenger, von Amelunxen, Chevrier+David, Dubost, Frenkel, Knowbotic Research)

David/Chevrier: Hybrid workspace als Treffpunkt der Musen, Radikalität künstlerischer Positionen nur im Prozeß auszumachen > *Was hat das Betreiben von Medientheorie mit ästhet. Praxis zu tun?
*Ist die DX auch eine Ausstellung der Medien (in ihrer eigenen Qualität)? Das heißt, sie zeigt möglicherweise einheitliche oder ununterscheidbare künstlerische Positionen (David-Komposition) dafür eine Vielfalt der Medien?

Do 23.00 Uhr: Videoprogramm:

- Knowbotic Research,
- Klonaris/Thomadaki
Kulturhaus Dock 4

Knowbotic Research,

*Begriff: Kunstkammerbilder
*Begriff: Übersetzen
*Begriff: Datenraum konstituiert sich aus fließenden Materialien
*Begriff: Information (multiple Unrast der Datenpakete) Der Wert der fragmentarisierten Informationen liegt nicht in der Garantie ihrer Auffindbarkeit, sondern in ihrem immanenten Potential zur Veränderung, das zu Interventionen auffordert

Klonaris/Thomadaki

"ökologische" Auffassung von Technologien (Gleichgewicht zw. mechanischen, optischen, chemischen,...T.); intermediale Praxis als Form des Widerstandes > *Wenn es diesen Druck auf zeitgenössische Künstler gibt, neueste technologische Instrumente zu verwenden, (Verstärkung politischer und ökonomischer Machtsysteme in der Kunst), wie drückt er sich aus
* Auswirkung der Wahl des Mediums/ der Medien, Art des Umgangs damit auf die Gemachtheit des Werkes? Ist das Medium die Botschaft? gibt es eine Ideologie der Medien/ideologische Medien?
G: irgendetwas über normative Zwaenge beim Nachdenken über die Medien