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ARCHIVX007: ROMAN ALS KARTENSPIEL (1962)

Döblins Diktum - man könne die Erzeugnisse der Epik unbedenklich in Stücke zerschneiden, sie würden dennoch lebensfähig bleiben - setzt Marc Saporta 1962 in einen zum Kartenspiel umfunktionierten Roman um. Öffnet der Leser die Buch-Box, so findet er darin einen Stapel von einhundertundfünfzig unpaginierten Karten nebst einer Gebrauchsanweisung[10] . Offene Kompositionsformen der seriellen Musik, Mallarmés Aleatorik, die cut-up-Methode William Burroughs gehen in die Funktionalität dieser literarischen 'Karten-Misch-Maschine' genauso ein wie verschachtelte Narrationsexperimente des Noveau Roman.
In Anlehnung an künstlerische Buch-Objekte wird bei diesem Experiment nicht nur die Typographie aufgelöst, sondern der materielle Körper des Buches selbst wird auseinandergerissen.
Die Visionen eines universellen vernetzten Archivs von Texten mit der Möglichkeit einer assoziativen Verknüpfung mittels externer technologischer Speichersysteme findet gleich nach dem 2. Weltkrieg neue Nahrung bei der Umstellung amerikanischer Forschung auf zivile Wissenschaftsnetze durch Vannevar Bushs Entwurf eines wissenschaftlichen Arbeitsplatzes:


[10] "Der Leser wird gebeten, diese Seiten wie ein Kartenspiel zu mischen. Abheben darf er, falls er es wünscht, mit der linken Hand, wie bei einer Kartenschlägerin. Die Reihenfolge, in der die Blätter liegen, entscheidet über das Los des Mannes X. [...] Von der Verkettung der Umstände hängt es ab, ob das Geschehen gut oder schlecht endet. Ein Leben setzt sich aus vielerlei Teilen zusammen. Aber die Zahl der möglichen Zusammensetzungen -compositions- ist unendlich." Reinhold Grimm: Marc Saporta oder der Roman als Kartenspiel, in: Sprache im technischen Zeitalter 14 / 1965, S. 1172-1184, hier: S.1173


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