Heiko Idensen | D  bio

inter-, hyper-, social-text:

Hypertextprojekte und kollaborative Schreibumgebungen

http://www.hyperdis.de/transmediale/

abstract

Interaktionsweisen mit Texte im Netzwerk legen die Textproduktion als soziale Kulturtechnik frei: Texten geschieht zunehmend in vernetzten digitalen Wissensarchitekturen, in denen sich der Unterschied zwischen Schreiben und Lesen medial verschiebt und letztlich auflöst.

Netztexte erscheinen als ein offenes Interface für kulturelle, soziale und ökonomische Austauschprozesse und Kommunikationsweisen: Hypertexte werden aus anderen Texten zusammengeschnitten, Zwischenräume und Anschlußstellen zwischen den Texten stellen bevorzugte Aktions- und Produktionsmomente dar: Kommentierungen, Erwiderungen, Verknüpfungen, Einfügungen und Verzweigungen ...

Kulturelle Codes als auch die Interfaces von Aufschreibemaschinen und Archiven erscheinen plötzlich nicht mehr nur als etablierte Techniken von Macht und Herrschaft, sondern können umprogrammiert und entwendet werden:

 

Crossreadings auf Serverebene, Cut-up Maschinen zwischen online-Zeitschriften, postmoderne Thesis-Generatoren, Sonettmaschinen, universelle Annotationstools, kollaborative Mitschreibeprojekte feiern auf verschiedenen Levels einen interkulturellen Textbegriff, der ältere offene Textverarbeitungen aus literarischen Experimenten und ästhetisch-sozialen Aufbruchsbewegungen wie Surrealismus und Situationismus als allgemeine Nutzerparadigmen wiederauferstehen lassen.

Die in der Literaturgeschichte vielfach wiederaufgenommene Parole Lautreamonts: “Die Poesie soll von allem gemacht werden, nicht von einem”, hallt jetzt als vielfach gebrochenes Echo aus den Untiefen des Netzes wieder:

 

Die Texte, Strukturen, Index-Systeme, Meta-Informationen, Verknüpfungsstrukturen zwischen den Texten liegen als ‚open source‘ im Netz bereit. Hören wir endlich auf, zu lesen und zu schreiben und die Geschichte immer wieder zu wiederholen, und fangen wir an, gemeinsam zu Schreib/Lesern zu werden, d. h. unsere kulturellen, mentalen, diskursiven Wissenssysteme zu verknüpfen, unsere Lieblingsstellen und Lektüre-Momente, Lesezeichen, Randbemerkungen, Fußnoten auszutauschen und das Internet als einen interkulturellen intertextuellen Diskursraum zu benutzen.

Nicht das Taschenbuch, die mailbox, das ebook, publishing on demand oder der Hypertext ist revolutionär, sondern der Gebrauch, den wir davon machen.

 

Kooperationsformen im Netzwerk

Solche neuen Arbeits- und Kooperationsformen im Netzwerk werden in der Medientheorie, selbst in der ‚Unterabteilung Netzkritik‘ fast durchweg positiv bewertet: soziale und kulturelle Utopien scheinen sich geradezu in die vernetzten Hypermedien zu verflüchtigen: so scheint die Trennung von Arbeit und Freizeit aufgehoben, die Produktionsmittel scheinen allgemein verfügbar zu sein, networking als Geschenk-Ökonomie scheint die Mechanismen des globalen Kapitalismus zu unterlaufen:

opensource und opencontent - freie Wissenskooperationen als Grundlage ,neuer Ökonomien‘ jenseits globalisierter Kapitalsströme?

Sind das typische Verdrängungsstrategien (schein-)selbständiger ‚intellektueller Proletarier‘?

Welche neuen Handlungs- und Aktionsmöglichkeiten schälen sich auf der Basis virtueller vernetzter Arbeits- und Lebenszusammenhänge heraus, wenn Information, Kommunikation und Wissen als die grundlegenden Produktionsparameter fungieren und gesellschaftlichen Verhältnisse, Kooperationsformen, Gruppenprozesse selbst zu maßgeblichen Produktionsfaktoren werden?

Wie gestaltet sich eine "postmediale Praxis" der Netz-Arbeit allseits vernetzter "Gruppensubjekte", wo bleibt Subversions- und Widerstandspotentiale?

Welchem Zeittakt unterliegen die Operationen und Kooperationen im Netz? Welchen Status haben die User, die Nutzer, die virtuellen Text- und Theoriearbeiter im Netz?

Wer spricht ?

 

Taktgefühl

Frank Hartmann beschreibt das grundlegende Verhältnis von ästhetischer und allgemeiner gesellschaftlicher Zeitorganisation als ein musikalisches ,Taktgefühl‘ und macht — wie schon Umberto Eco in den entscheidenden Charakteristika des “offenen Kunstwerkes”[1] — Anleihen bei musikalischen Improvisationstechniken: “Jeder ist [...] eine innere Kooperative, ein selbstgenügsames Kollektiv. Er hat die für seine Leistung nötigen Ordnungen anschaulich in sich und übt sie schnell und sicher aus, ein Verfügen, das kein analytisches Nachvollziehen und Durchspielen, sondern der direkte Zugriff aus der Souveränität des Rück- und Überblicks ist. [...] Dieses formale Potential wird zunehmen und liegt gesellschaftlich bereit, um an anderem Ort genutzt zu werden. Es ist absehbar, dass sich die künstlerische Arbeit seiner bedient. Der Kooperationserfahrenheit des Arbeitsvermögens entspricht in der ästhetischen Produktivität zwar nichts Gleichlautendes, aber in dem Maße, in dem künstlerische Praxis Aktion wird, sie ihren Zielpunkt in der öffentlichen Handlung hat und nicht in einem Außerhalb der Produktion, des Zeitpunktes, des Autors und des Ortes liegendem Produkt, bildet sich eine Art Taktstraße heraus, die Aktionszeit. Diese Trasse organisiert gleichsam selber, wie beim musikalischen Improvisieren, die Zeiten, in die die Beiträge unterschiedlicher kooperierender Autoren hineingehen können. Es ist, sobald die Zeitspannung hergestellt ist, immer schon etwas da.

Nun ist dieser Taktgeber in den bildenden Künsten kein reines Zeitmaß, sondern immer auch optisches Medium.”[2]

 

‚immaterielle‘ Ökonomie

Von manchen Gesellschaftstheorien wird der neue Status von Produktion als eine Ablösung vom industriellen Produktionssystem beschrieben, die Ökonomie der psychischen Produktion werde abgelöst durch eine ‚immaterielle‘ Ökonomie der Information (in den quartären Sektoren der Kommunikationsdienstleistungen).

Die folgenden Merkmale markieren am deutlichsten den Bruch mit der industriellen Produktionsweise:

- die Quellen des Reichtums sind forthin konzeptuelle Tätigkeiten

- Wertzuwachs wird hauptsächlich durch Transaktionen aller Art in Kommunikation und Distribution erzeugt

- Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang und Transfer von Informationen erscheinen als die grundlegende Fähigkeit, geradezu als Grundbedingung, um arbeiten zu können

- grundlegende Produktivkraft wird der Wissenschaftssektor, genauer eben die Integration wissenschaftlicher Arbeit in die industriellen Produktionsprozesse

- vorherrschendes soziales Paradigma ist nicht mehr der einzelne, möglicherweise sogar in Serie geschaltete, Arbeiter der Massenproduktion, sondern das Team aus eigenverantwortlichen ProduzentInnen verschiedenster Qualifikationen

- virtuelle Managementstrategien laufen auf Animation zu eigenverantwortlicher Kooperation der ‚subjektiven Produzenten‘ hinaus, anstatt auf Kontrolle linearer Arbeitsabläufe und reines Zeitmanagement

- die individuellen und die kollektiven Interessen der Arbeitenden scheinen mit denen der Firma identisch zu sei, bzw. zu werden: jeder wird virtuell zu seinem eigenen ‚Scheinselbständigen‘

- Leben und Arbeit werden ununterscheidbar, freie Zeit lässt sich nicht mehr von der Arbeitszeit unterscheiden: wir sind ständig online, ständig erreichbar, immer adressierbar.

- soziale Kooperation und gesellschaftliche Interventionsprozesse werden zur Grundlage ‚virtueller Arbeit‘:

“Diese immaterielle Arbeit konstituiert sich unmittelbar kollektiv, ja man könnte sogar davon sprechen, dass sie nicht anders als in Form von Netzwerken und Strömen existiert. [...] Der Produktionszyklus selbst ist dabei abhängig von der kapitalistischen Initiative; sobald der ‚Job‘ erledigt ist, löst sich der Zusammenhang auf in jene Netzwerke und Ströme [...].”[3]

 

 

soziale Interfaces

In den emphatischen Entwürfen virtueller Zukunfts-Szenarien[4] werden die neuen sozialen Interfaces kollaborativer Netzwerkarbeit zumeist zu wenig beachtet: an diesen Schnittstellen werden nicht nur die ‚handwerklichen‘ professionellen Fähigkeiten im Umgang mit den vernetzten multimedialen Produktionsmitteln prozessiert, sondern das gesellschaftliche Verhältnis von Produktion und Konsumption erfährt einen fundamentalen Wandel, so die Auffassung Maurizio Lazzazatos: “Den Prozess der produktiven Kooperation in Gang zu setzen ebenso wie den gesellschaftlichen Zusammenhang zu den Konsumentinnen und Konsumenten herzustellen, bedarf es der materiellen Verbindung im und durch den Kommunikationsprozess. Immaterieller Arbeit selbst fällt die Aufgabe zu, Formen und Modalitäten der Kommunikation ständig zu innovieren, also auch Arbeit und Konsum zu verändern. [...] Eine Besonderheit der von der immateriellen Arbeit hervorgebrachten Ware, das heißt ihr Gebrauchswert, der im wesentlichen auf dem ‚Wert‘ ihres informativ-kulturellen Inhalts beruht, besteht darin, dass er nicht im Akt der Konsumption zerstört wird, sondern dass er das ideologische und kulturelle Milieu der Konsumierenden erweitert und verändert, ja sogar erst erschafft. [...] Immaterielle Arbeit produziert in erster Linie ein gesellschaftliches Verhältnis — ein Verhältnis, das Innovation, Produktion und Konsum einschließt —, und der (ökonomische) Wert, der dieser Tätigkeit zukommt, hängt einzig und allein davon ab, ob es ihr gelingt, diese Relation zu erzeugen. [...] Die Arbeit produziert nicht nur Waren, sondern vor allem ein soziales Verhältnis, das Kapital.”[5]

 

intellektuelle Proletarier

Der Kulminationspunkt virtueller Ökonomien besteht nun darin, die immensen gesellschaftlichen Produktivkräfte der neuen Märkte auf der einen Seite an die schier unbegrenzten ‚freigesetzten‘ Produktivitäten der jetzt neuerdings (schein-) selbständigen Produzenten — mit hoher räumlicher und zeitlicher Mobilität — auf der anderen Seite zu koppeln und zu binden.

Für den ‚intellektuellen Proletarier‘ wird die immaterielle Arbeit zu einer doppelten Projektion von Selbständigkeit: zum einen scheint er die Produktionsmittel jetzt endlich in den eigenen Händen zu halten, während er gleichzeitig nur für sich selbst und vor allem für die eigene Selbst-Verwirklichung zu arbeiten scheint.

Nirgends treten die Widersprüche der postindustriellen Gesellschaft deutlicher zutage als in dieser sehr ambivalenten Figur des immateriellen Arbeiters, des Netz-Junkies, des extremen Programmieres, Systemanalytikers, kreativen IT-Spezialisten, des Hackers, Netz-Administrators, Software-Entwicklers, des Interaktions-Designers, des intelligenten Assistenten, Projekt-Managers, Art-Directors, des Database-Engineers für kulturelle Wissenssysteme, des Microslaves, des technischen Autors, der online-Redakteurin.

Ein Ensemble von Tätigkeitsmerkmalen, die in der Moderne dem Autor, dem Künstler oder dem Intellektuellen zugedacht und auf den ‚Leib geschrieben‘ waren, vollzieht sich jetzt Über das ‚Interface‘ des allgemeinen immateriellen Arbeiters, der entscheidend daran mitwirkt, die Netzwerke der neuen Produktionsweisen aufzubauen,  Akkumulations- und Reproduktionsprozesse der neuen Märkte aufzuspüren, den Aktienkurs in Turbulenzen zu bringen — und vor allem seine eigenen Subjektivitäten ins Spiel zu bringen, allzeit bereit, jederzeit selbst unternehmerisch tätig zu werden und gleichzeitig die Verhältnisse und das Verständnis davon, was Arbeit, Artikulation, Zeichen und Wert ist, radikal in Frage zu stellen; Lazzazato beschreibt eben jenes absurde Verhältnis, gleichzeitig Produzent und Konsument, Autor und Leser, Kapital und Arbeit, Subjekt und Objekt zu sein: “Das ‚Rohmaterial‘ der immateriellen Arbeit ist Subjektivität [...]. Die Produktion von Subjektivität hört auf, in erster Linie ein Instrument sozialer Kontrolle zu sein, Marktsubjekte für Tauschverhältnisse hervorzubringen; sie wird unmittelbar produktiv, zielt [...] auf die Konstruktion konsumierend-kommunizierender Subjekte, die selbst ‚aktiv‘ sind. Immaterielle Produzentinnen und Produzenten [...] sorgen dafür, dass eine Nachfrage befriedigt wird, und zur gleichen Zeit schaffen sie diese Nachfrage. Die Tatsache, dass immaterielle Arbeit Subjektivität und (ökonomischen) Wert zur gleichen Zeit produziert, zeigt, wie die kapitalistische Produktionsweise unser Leben durchdrungen und hergebrachte Unterscheidungen — Ökonomie, Macht, Wissen —‚ niedergerissen hat. Der Prozess gesellschaftlicher Kommunikation ist mitsamt seinem Hauptinhalt, der Produktion von Subjektivität, unmittelbar produktiv geworden: Hier wird gewissermaßen die Produktion ‚produziert‘.”[6]

 

Autoren als Netzwerke

Dieses Ineinanderfallen und Überlagern der Produktionsprozesse (von Wissen, Gedanken, Bildern, Tönen, Sprache, Programmen und Organisationsweisen) und deren Kommunikation, Verbreitung und Verwertung schließt materielle und Ästhetisch-wissenschaftliche Produktionsweisen kurz: die klassischen Autorfunktionen werden industriell-organisierten Produktionsprozessen unterworfen, während die Rezipienten, Konsumenten und Adressaten durch produktive Rezeption zum aktiven Bestandteil des Verwertungs- und Reproduktionskreislaufes werden. Genau an dieser Schnittstelle, dieser kreativen Austauschbeziehung liegen die entscheidenden Möglichkeiten der neuen Produktionsverhältnisse: “Immaterielle Arbeit konstituiert unmittelbar kollektive Formen, Netzwerke und Ströme.” [7]

 

Handlungs- und Aktionsmöglichkeiten

Welche neuen Handlungs- und Aktionsmöglichkeiten schälen sich also auf der Basis virtueller, vernetzter Arbeits- und Lebenszusammenhänge heraus, wenn Information, Kommunikation und Wissen als die grundlegenden Produktionsparameter fungieren und gesellschaftliche Verhältnisse, Kooperationsformen, Gruppenprozesse selbst zu maßgeblichen Produktionsfaktoren werden?

Im Anschluss an Félix Guattari und Gilles Deleuze versucht Andreas Broeckmann diese “postmediale Praxis”[8] der nun allseits vernetzten “Gruppensubjekte” als Momente eines Subversions- und Widerstandspotentials zu skizzieren.

Im Projekt IO_Lavoro Immateriale (Abb.8) von Knowbotic Research[9] wurde diese Debatte um Theorie- und Praxisformen  immaterieller Arbeit mittels spezieller technischer und sozialer Interfaces weitergetrieben. Maurizio Lazzarato stellte in diesem Zusammenhang eine Gruppe von Soziologen und Philosophen zusammen, die prototypisch in kollektive intellektuell-künstlerische Arbeitsformen verwickelt wurden: “Jeder der Teilnehmer und Teilnehmerinnen trug selbstverfertigtes Textmaterial in die Datenbank ein, verband jeden Datensatz mit einem ihn repräsentierenden Schlüsselbegriff und erstellte eine eigene konzeptuelle Karte, in der die Beziehungen der diskursiven Elemente durch Distanzen und Clusterbildungen repräsentiert wurden. Wiederum wurden diese Einzelkarten von einem Computersystem zusammengefasst und zu einer einzigen, dynamischen Karte synthetisiert, in der aufgrund algorithmischer Regeln stets neue potentielle Konstellationen zwischen den verschiedenen Materialien dargestellt werden.”[10]

 

Assoziations-Blaster

Um deutlich zu machen, wie Vernetzungsstrategien als neue Produktionsparadigmen für Texte funktionieren, möchte ich auf die Funktionalität eines avancierten Netz-Literatur-Projektes eingehen, das mittels automatischer Verlinkungsroutinen ein zentrales Moment des Schreibens im Netz zur Hauptfunktion der Textkonstitution erklärt: den Link, den Zwischenraum der Texte, die Intertextualität: Es handelt sich um den Assoziations-Blaster[11]

Bisherige Mitschreibe-Projekte im Netz kranken größtenteils daran, dass sie nach wie vor immer noch so tun, als würde ein vereinzelter User-Autor in einem einzigen Textfenster ganz allein für sich schreiben. Die Diskussions-, Konversations- und Kooperationskulturen in Diskussionsforen, newsgroups, MUDs und Mailinglisten stellen dagegen die gemeinschaftlichen Aspekte der Netzkommunikation in den Vordergrund, die durch selbstgeschaffene Regeln geordnet und durch entsprechende Features in den verwendeten Interfaces unterstützt werden: Reply- und Zitatfunktionen, Bewertungs- und Kommentierungsroutinen, grafische Darstellungen des Diskussionsverlaufs, Such- und Verknüpfungsoptionen.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen technischen Parametern der Übertragung und Speicherung und den darauf aufbauenden kulturellen Kodierungen setzt der Assoziationsblaster an, indem er keine Themen und keine Geschichte vorgibt, sondern ausschließlich mit der Linkstruktur selbst arbeitet:

“,Die Entscheidung liegt bei uns, den Usern.‘ (TRON)

Der Assoziations-Blaster ist ein interaktives Text-Netzwerk in dem sich alle eingetragenen Texte mit nicht-linearer Echtzeit-Verknüpfung™ automatisch miteinander verbinden. Jeder Internet-Benutzer ist aufgerufen, die Datenbank mit eigenen Texten zu bereichern.

Die einzelnen Beiträge können nicht der Reihe nach gelesen werden, stattdessen wird anhand der entstehenden Verknüpfungen von einem Text zum anderen gesprungen. Die dadurch entstehende endlose Assoziations-Kette vermag dem Zusammenhalt der Dinge schlechthin auf die Spur zu kommen.

Die Datenbank mit den Texten ist nach Stichworten geordnet. Jeder Text gehört zu einem bestimmten Stichwort und die Stichworte stellen auch die Verbindungen zwischen den Texten her. Jeder Internet-Benutzer darf auch neue Stichwörter eintragen, die dann sofort Auswirkungen auf alle bereits vorhandenen Texte haben.”[12]

Da sich keine Auswahlmenus oder Stichwortlisten zur Navigation anbieten, kann ein User dieses Projekts sich lediglich über ein zufällig ausgewähltes oder in eine Suchmaske eingegebenes Stichwort in den Datenbestand hineinbegeben. Auch von hier aus kommt er nur über die generierten Links in dem ausgewählten Text-Fragment weiter - oder er kann eben selbst in ein Eingabefeld seine ‚Assoziationen‘ einschreiben, woraufhin die eingegebenen Textfragmente automatisch verlinkt werden: alle Worte, zu denen schon Stichworte existieren, sind sofort wie durch ein Wunder in dem eingegebenen Text als Links markiert, (Abb. 12b) während der gerade eingegebene Text auch sofort in das Netzwerk der kollektiven Assoziationen eingewoben ist. Der gesamte Datenbestand des Assoziationsblasters ist über geschickte Suchmaschinen-Anmeldungen mit dem Rest des Internets verbunden, so dass die relativ hohen Zugriffszahlen[13] von über 1000 pro Tag zu erklären sind.

Kommt es zur Informationsverdichtung durch Linkhäufung und unmittelbare automatische Anknüpfung an und in fremde Texte? Ist das vielleicht ein möglicher Versuch, Ansätze für eine Poetik der Netzliteratur zu finden?

Fast gegenläufig zum ursprünglichen Ansatz des ,freien Assoziierens‘ werden im weiteren Verlauf des Projekts, Features zur Verdichtung[14], Kommentierung und Kommunizierbarkeit des Datenmaterials eingebaut: ein skalierbares Bewertungssystem, vom User konfigurierbare Filtermechanismen, ein Diskussionsforum, in dem die MitschreiberInnen ihre Beiträge, die Features des Blasters und allgemeine Themen diskutieren.

 

Interaktion mit der Systemtheorie:  Schreiben in nic-las

Das Wissenschaftsverständnis hat sich angesichts der postmodernen Informationstechnologien von einem passiven deskriptiven Paradigma (Relation zur Natur, Repräsentation von Fakten, Entdeckungen von ‚Geheimnissen‘ durch geniale Einzelwissenschaftler) zu einem konstruktivistischen Ansatz hin entwickelt: Hier stehen die Prozesse und Operationen im Vordergrund, durch die Erkenntnisse überhaupt erst erzeugt werden. Diese Prozesse und Operationen sind von vornherein als ein kollaboratives Netzwerk angelegt; komplexe Forschungen können nur noch im teamwork[15] vollzogen werden.

 

Hier sei nun ein eigenes Projekt vorgestellt, das vernetzte Wissenssysteme reflektiert, das Forschungsprojekt “Netz/Werk/Kultur/Techniken: kulturwissenschaftliche Wissensproduktion in Netzwerken”[16]: zusammen mit Studierenden der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim suchte ich nach Möglichkeiten, Hypermedia und Netzwerke nicht nur zu rezipieren (=lesen), sondern kulturkritische hypermediale Diskurse selbst zu initiieren, zu entwerfen, zu gestalten (=schreiben) und in die kommunikativen Strukturen der Netzwerke zurückzukoppeln — d.h. Eingriffe in die Felder hypermedialer Diskurstechniken vorzunehmen. Der oszillierende hybride Status von Netz-Texten im Spannungsfeld von Lese- und Schreiboperationen wurde zum zentralen Kulminationspunkt unserer Projektarbeit: Charakteristisch für online-Texte ist das kollaborative Entwerfen und Strukturieren von Ideen, die Beschleunigung von Austausch- und Verteilungsprozessen, die Öffnung von Textstrukturen: die Erstellung und Überarbeitung von Texten sowie ihre Einbindung in andere Kontexte vollziehen sich nicht mehr im Kopf einzelner Autoren, sondern digitale Textnetzwerke konfigurieren sich von vornherein im öffentlichen Raum. Jeder Teilnehmer an digitalen Diskursen ist potentiell gleichermaßen Sender und Empfänger, Schreiber und Leser, Produzent und Rezipient.

 

In einer Verschränkung von inhaltlicher Recherche und Aufbereitung aller im Forschungsprojekt angefallenen Materialien und Dokumente arbeiten wir gemeinsam mit Kooperationspartnern an der Optimierung und Adaption einer offenen Informationslandschaft nic-las:[17]: (Abb.13) Basierend auf der Systemtheorie von Niklas Luhmann liegen die Basisoperationen in vielfältigen nicht-liniearen Verknüpfungsmöglichkeiten von Textstellen und Zitaten (automatische Verknüpfungen nach keywords ebenso wie ein differenziertes Meta-Auszeichnungssystem etwa für Personen- und Sachregister oder Zuordnungen und Zugriffsrechte für verschiedene AutorInnen) und in dynamischen diskursiven und kommunikativen Operationen (wie intuitive und assoziative Annotation und Kommentierung). Gerade diese Verbindung von hierarchischen und rhizomatisch-chaotischen Strukturen ermöglicht eine intertextuelle Praxis des Schreibens mit Synergieeffekten zwischen Lesen und Schreiben wie sie in den emphatischen Debatten um den Text-Begriff in den 60er Jahren und dem Poststrukturalismus theoretisch entwickelt wurde. Die große Flexibilität im Interface-Design liegt vor allem darin begründet, dass für die online-Schreib-, Kommunikations- und Archivprozesse keine neuen Metaphern oder Datenstrukturen vorgegeben werden, sondern dass jede Aktivität des Benutzers in der einfachsten möglichen Aktion besteht: im Anlegen einer ,Unterscheidung‘.[18] Verschiedene AutorInnen schreiben nicht nur zeitversetzt am selben Dokument, tauschen nicht nur ihre Zettelkästen, Zitatdatenbanken oder Referezen aus oder annotieren, kommentieren und ergänzen feststehende Texteinheiten, sondern entwerfen verschiedene Perspektiven, konstruieren Ein-, Aus- und Übergänge zwischen den Texten und re- und dekontextualisieren ihre Eingaben dabei permanent: Der Text wird zu einer Oberfläche, zu einer Schnittstelle für die Begegnung von Leser und Schreiber, Anbieter und Nutzer, Sender und Empfänger.

Ob solche Versuche wirklich längerfristig und nachhaltig neue Diskursformen herausbilden helfen, vielleicht sogar die von Hypertext-Theoretikern immer wieder geforderte (und von den Programmentwicklern bisher nie eingelöste) Hybridisierung zwischen Form und Inhalt, zwischen Text und Kontext, zwischen Produktion und Rezeption, zwischen Autorfiktionen und Leserimaginationen zu bearbeiten und managen helfen - wird die Zukunft zeigen.

 

immer interagieren: brechen, dekonstruieren, programmieren?

Der epistemologische Bruch, der sich angesichts digitaler Interaktionsformen mit Texten, Bildern und Tönen in den kulturellen Wissenssystemen vollzieht, liegt weniger in den oben beschriebenen Interaktionsformen als solchen begründet — denn Texte wurden und werden schon immer mittels der jeweiligen medialen Aufschreibsysteme traktiert, umgeschrieben, zerschnitten und wieder neu zusammengeklebt[19] —, als vielmehr in den Ausformungen dieser Interaktionsformen. D. h. die Art und Weise wie sich diese Interaktionen im Netzwerk digitaler Diskurse vollziehen, ihre freie Gestalt- und Verfügbarkeit ist der spingende Punkt. Die Unterscheidung zwischen Schreiben und Lesen, genauer gesagt zwischen den Akten des Schreibens und Lesens ist in digitalen Umgebungen zunächst einmal medial verschoben: Wir können im Netz direkt auf jede Seite schreiben, ohne noch irgendwelche Werkzeuge wie Schere, Bleistift, Druckerpresse hinzuziehen zu müssen, weil eben genau diese Werkzeuge als Tools und Programme, als Client Plug-Ins, Server-Programme in derselben Medienkonfiguration ausführbar sind, die auch für das Anzeigen der Seite verantwortlich sind. Es vollzieht sich also nicht die Begegnung des Regenschirms mit der Nähmaschine auf dem Bildschirm der Worte, sondern es handelt sich um ein Verschalten der (virtuellen) Lesemaschinen und anderer konzeptueller Aufforderungen als Angebot zur Mitarbeit der LeserInnen mittels neuer ,Schreibmaschinen‘, ,Druckerpressen‘ und Aufschreibesysteme.[20]

Der vom Dekonstruktivismus endlos durchkonjugierte Bruch, dass alle Texte aus anderen Texten zusammengeschnitten sind, dass in jedem Buch ein weiteres steckt, das heraus will, dass die Texte nicht bei den Lesern ankommen, sondern sich als aktive Rezeptionsprozesse genau um die Leerstellen der Texte, Bücher und Diskurse herum neu konstituieren, ist jetzt in den digitalen Diskursen universell in den Code selbst eingeschrieben:

Crossreadings auf Serverebene, [21] Cut-up Maschinen zwischen online-Zeitschriften, postmoderne Thesis-Generatoren, Sonettmaschinen, universelle Annotationstools, kollaborative Mitschreibeprojekte[22] feiern auf verschiedenen Levels einen interkulturellen Textbegriff, die ältere offene Textverarbeitungen aus literarischen Experimenten[23] und ästhetisch-sozialen Aufbruchsbewegungen wie der Surrealismus und Situationismus als allgemeine Nutzerparadigmen wiederauferstehen lassen. Die in der Literaturgeschichte vielfach wiederaufgenommene Parole Lautreamonts: “Die Poesie soll von allem gemacht werden, nicht von einem”, hallt jetzt als vielfach gebrochenes Echo aus den Untiefen des Netzes wieder:

Die Texte, Strukturen, Index-Systeme, Meta-Informationen, Verknüpfungsstrukturen zwischen den Texten liegen als ‚open source‘ im Netz bereit. Hören wir endlich auf, zu lesen und zu schreiben und die Geschichte immer wieder zu wiederholen, und fangen wir an, gemeinsam zu Schreib/Lesern zu werden, d. h. unsere kulturellen, mentalen, diskursiven Wissenssysteme zu verknüpfen, unsere Lieblingsstellen und Lektüre-Momente, Lesezeichen, Randbemerkungen, Fußnoten auszutauschen und das Internet als einen interkulturellen intertextuellen Diskursraum zu benutzen.

Nicht das Taschenbuch, die mailbox, der Hypertext oder das ebook ist revolutionär, sondern der Gebrauch, den wir davon machen.

Sicherlich wäre es verfehlt, diese Gebrauchsweisen von Texten als Interface für kulturelle, soziale und ökonomische Datenströme, Austauschprozesse und Kommunikationsweisen schon selbst für eine utopische Verwirklichung der Träume und Konzepte von offenen Kunstwerken, für eine ,Verwirklichung‘ ästhetischer Utopien zu halten - aber sie stellen sicherlich Momente der Öffnung dar, durch die hindurch Textrevolutionen und Utopien der verschiedensten künstlerischen und sozialen Bewegungen neue Antriebe bekommen - und vor allem neue Modelle und Strukturen außerhalb rein ästhetischer oder literarischer Kontexte praktiziert werden können. Durch solche Synergieeffekte nehmen Prozesse, die vielleicht als Text-Kollaboration im Netz ihren Anfang nahmen,  wiederum Einfluß auf die ’Gestaltung’ gesellschaftlicher Felder (virtuelle Arbeit, virtuelles Geld, virtuelle Wissenschaft, direkte Demokratie ...).[24]

... denn die Texte im Netz sind niemals geschlossen, finden dein definitives Ende[25], keinen Schlußpunkt wie diese Rede ...[26]

 

Links:

The first collaborative Sentence

http://ca80.lehman.cuny.edu/davis/

Knowbotic Research: IO_Lavoro Immateriale

http://io.khm.de/

Andreas Broeckmann: "Knowbotic Research - Wirksamkeit und konnektives Handeln. Konstruktionen im Translokalen":

http://www.kulturprozent.ch/brainstorming/referenten/willhelm/knowbot.htm

Assoziationsblaster:

http://www.assoziations-blaster.de/

autopoetische Informationslandschaft nic-las:

http://www.nic-las.com/enzyklopaedie/

Odysseen des Wissens. Kollaborative Text- und Theorieproduktion in digitalen Diskursen:

http://www.hyperdis.de/

 

 



[1]          In: Das offene Kunstwerk, Frankfurt a. M. 1973, OT: Opera aperta, Mailand 1962 beschreibt Eco verschiedene ,Kunstwerke in Bewegung‘, die über das Ansprechen von Möglichkeitsfeldern einen aktiven Interpretations- und Rezeptionsprozess herausfordern (Partituren serieller Musik, informelle Malerei, Visuelle Poesie, Live-Fernsehsendungen, Querschnittstechniken bei Joyce): “Jedes Ereignis, jedes Wort steht in einer möglichen Beziehung zu allen anderen, und es hängt von der semantischen Entscheidung bei einem Wort ab, wie alle übrigen zu verstehen sind.” Ebd., S. 39. Die Kunstwerke werden als Mechanismen aufgefaßt, derer man sich bedienen kann: “Offenes Kunstwerk als Vorschlag eines ,Feldes‘ interpretativer Möglichkeiten, als Konfiguration von mit substantieller Indeterminiertheit begabten Reizen, so dass der Perzipierende zu einer Reihe stets veränderlicher ,Lektüren‘ veranlaßt wird; Struktur schließlich als ,Konstellation‘ von Elementen, die in wechselseitige Relationen eintreten können” Ebd., S. 154.

[2]          Hartmann, Frank, Medienphilosophie, Wien 2000, S. 303. Frank Hartmann bezieht sich hier teilweise implizit auf einen Artikel von Dieter Hoffmann-Axthelm, der die musikalischen Grundlagen der Kooperation am Ende freilich noch stärker betont: “Der Kooperationserfahrenheit des Arbeitsvermögens entspricht in der ästhetischen Produktivität zwar nichts Gleichlautendes, aber in dem Maße, in dem künstlerische Praxis Aktion wird, sie ihren Zielpunkt in der öffentlichen Handlung hat und nicht in einem Außerhalb der Produktion, des Zeitpunktes, des Autors und des Ortes liegendem Produkt, bildet sich eine Art Taktstraße heraus, die Aktionszeit. Diese Trasse organisiert gleichsam selber, wie beim musikalischen Improvisieren, die Zeiten, in die die Beiträge unterschiedlicher Autoren hineingehen können. Es ist, sobald die Zeitspannung hergestellt ist, immer schon etwas da.

Nur ist dieser Taktgeber in den bildenden Künsten kein reines Zeitmaß, sondern immer auch optisches Medium. Gegenstand sind die aktuellen Wahrnehmungsgewohnheiten: Schnitte, Beschleunigungen, Überblendungen, Gleichzeitigkeiten und Zeichenabstraktionen der alltäglichen Wahrnehmung. Foto, Film, Video, Computerfilm bringen sie nicht hervor, aber stellen sie dar, treiben sie voran, spitzen sie zu. Wir sollten die optischen Medien nicht überschätzen. Subjekt ist, bei aller Unterworfenheit unter Taktverfahren, noch immer die Wahrnehmung. Kooperation heißt, seit ihrer Erfindung, rhythmisierte Wahrnehmungszeit. Nicht neutralisierte optische Signale, sondern Lieder waren ihre ersten Taktgeber. Aus der Arbeitskraft ausgetrieben, kehre die Kooperation, so sie wieder ästhetisch würde, nur zu ihren Anfängen zurück.” Hoffmann-Axthelm, Dieter, “Kunst und Kooperation”, in: Künstlergruppen. Von der Utopie einer Kollektiven Kunst, hg. v. Florian Rötzer, Kunstforum, Bd. 116, 11/12 1991, S. 154-159, hier: S. 159.

[3]          Lazzazato, Maurizio, “Immaterielle Arbeit. Gesellschaftliche Tätigkeit unter den Bedingungen des Postfordismus”, in: Umherschweifende Produzenten. Immaterielle Arbeit und Subversion, hg. v. Toni Negri, Maurizio Lazzazato, Paolo Virno, Berlin 1998, S. 39-52, hier: S. 46-47.

[4]          Vgl. die äußerst dürftigen Zukunftsentwürfe in den Planets of Vision, Bestandteil der EXPO 2000 in Hannover: http://www.planetofvisions.com/.

[5]          Lazzazato, Maurizio, “Immaterielle Arbeit. Gesellschaftliche Tätigkeit unter den Bedingungen des Postfordismus”, in: Umherschweifende Produzenten. Immaterielle Arbeit und Subversion, hg. v. Toni Negri, Maurizio Lazzazato, Paolo Virno, Berlin 1998, S. 48.

[6]          Lazzazato, Maurizio, “Verwertung und Kommunikation. Der Zyklus immaterieller Produktion”, in: Umherschweifende Produzenten. Immaterielle Arbeit und Subversion, hg. v. Toni Negri, Maurizio Lazzazato, Paolo Virno, Berlin 1998, S. 53-66, hier: S. 57 f.

[7]          Ebd., S. 61.

[8]          “Postmediale Praxis entsteht aus den vernetzten Praktiken leidenschaftlicher Individuen und Gruppen, die in lokalen und translokalen Kontexten arbeiten und dabei Medien verwenden wie Magazine, Plattenlabels, CD-Roms, Websites, Clubevents, Mailinglisten, usw. Differenzen werden in diesen Netzwerken nicht negiert, sondern ausgelebt. Postmediale Praxis wird auch bestimmt durch eine kritische Haltung gegenüber den verwendeten Medien, sie handelt eher in lateralen als in vertikalen Konfigurationen und akzeptiert die Prozessualität und kontinuierliche Transformation von Kontext und Praxis. [...] Postmedia könnte in diesem Sinne als fröhlichere Variante des Spiels von modernen Betriebsstrukturen, von Telearbeit, digitaler Cottage-Industrie, ,lean management‘ und doppelt freien Lohnarbeitern gelesen werden.” Broeckmann, Andreas, “Knowbotic Research - Wirksamkeit und konnektives Handeln. Konstruktionen im Translokalen” unter:

http://www.kulturprozent.ch/brainstorming/referenten/willhelm/knowbot.htm.

[9]          http://io.khm.de/.

[10]         Andreas Broeckmann, wie Anm. 40. Mittels eines speziellen Editor-Interfaces ist diese Datenbank nach Anmeldung auch im Netz verfügbar und prinzipiell offen für weitere Einträge: http://io.khm.de/. Vgl. auch die kommentierende und interpretierende Projektkritik von Hans Ulrich Reck, “Konnektivität und Kartographie. Über: künstlerische Praxis, Arbeit, Subjektivität, Handeln” auf demselben Server.

[11]         http://www.assoziations-blaster.de/ initiiert von den beiden Stuttgarter Merz-Akademie-Studenten Alvar Freude und Dragan Espenschied.

[12]         So die Begrüßungsseite des Blasters: http://www.assoziations-blaster.de/

[13]         Am 14.09. 2000 waren 61968 Texte zu 5026 Stichw_rtern eingegeben worden, innerhalb eines Tages kommen bis zu 300 Texte und 25 neue Stichwörter dazu. Details zur Statistik (Suchmaschinenauswertungen, wenig und häufig gesuchte Stichworte) sind abrufbar unter: http://www.assoziations-blaster.de/statistik/.

[14]         Mit diesem Begriff kritisierte Hartmut Winkler eine ausschweifende, in die Breite gehende Tendenz zur Beliebigkeit in Texten aus kollaborativen Schreibprojekten auf dem Workshop: Odysseen des Wissens, Weimar, 2.-3.3 2000. Vgl. Winkler, Hartmut, “Kollaborative Schreibprojekte im Netz. Über Komplexität und einige mediengeschichtliche Versuche sie wieder in den Griff zu bekommen” unter: http://www.uni-paderborn.de/~winkler/, sowie das Kapitel “Verdichtung” in: ders. Docuverse, Berlin 1997.

[15]         Ein Blick etwa in physikalische Forschungsliteratur zeigt Teams von mehr als 2000 WissenschaftlerInnen, die über Jahrzehnte zusammenarbeiten. Selbst bei einer Dissertation in einem solchen Arbeitskontext tauchen dann etwa die Namen von über 500 ‚Mitautoren‘ (in alphabetischer Reihenfolge) auf, so dass - trotz der restriktiven Regeln des zunftartig organisierten Wissenschaftsbetriebs - der einzelne Forscher ganz deutlich als Knoten in einem Geflecht von Querbeziehungen positioniert wird. Der Konzeption des WWW-Standards am CERN lag u.a. der Wunsch und die Notwendigkeit der Entwicklung eines einfachen Austauschformats für wissenschaftliche Texte im Netz zugrunde.

http://hoshi.cic.sfu.ca/~guay/Paradigm/History.html gibt einen sehr fundierten Überblick über die historischen Entwicklungen des Web-Konzepts aus den verschiedensten Quellen - (Bush, Nelson, Engelbart, CERN) nebst medientheoretischen Hintergrund (Mc Luhan, Landow).

siehe auch: Tim Berners-Lee (Ted Nelson and Xanadu), http://www.w3.org/pub/WWW/Xanadu.html

[16]         Alle Dokumente und Materialien des Projekts sind archiviert unter: http://www.hyperdis.de/netkult/

[17]         Die Entwickler bezeichnen nic-las als ‚autopoetische Informationslandschaft‘: Das Akronym nic-las steht für nowledge integrating communication-based labelling and access system.

[18]         Diese Unterscheidungen strukturieren schon während der Texteingabe den Datenbestand dynamisch und schreiben somit jede Veränderung in einem kleinen Detail in den Gesamtkontext ein und diferrenzieren so die Wissensstrukturen immer weiter aus. Personen-, Themen- und Zeitreferenzen vernetzen jede Texteinheit innerhalb verschiedener Kontexte.

[19]         Die Imaginäre Bibliothek  zeigt diese Prozesse auf: http://www.hyperdis.de/pool/.

[20]         Aufschreibesysteme im erweiterten Kittlerschen Verständnis als kulturell-mediale Diskursnetzwerke.

[21]         Das CaterCapillar-Network: http://student.merz-akademie.de/catercapillar/ ermöglicht eine automatische Indizierung und Verknüpfung von Dateien auf verschiedenen Servern, eine Art Fortsetzung des Assoziationsblasters  auf der Ebene der Netztopologien.

[22]         Vgl. http://www.hyperdis.de/.

[23]         Solche Proto-Hypertexte sind im Detail beschrieben in: Idensen, Heiko, “Die Poesie soll von allen gemacht werden! Von literarischen Hypertexten zu virtuellen Schreibräumen der Netzwerkkultur”, in: Literatur im Informationszeitalter, hg. v. Friedrich A. Kittler u. Dirk Matejovski, Frankfurt a. M. 1996,  S. 143-184.

[24]         So ist es auch kein Zufall, daß gerade die Macher des Assoziationsblasters sich engagieren für die "Freiheit von Links" im Netz und zur gemeinschaftlichen Durchsetzung ihrer Forderungen Instrumente für "online Demonstrationen"

(http://www.online-demonstration.org/) entwickelt haben. Auch die längst fällige Ausdehnung der Ansätze freier Software auf den Inhalt der im Netzwerk zirkulierenden Dokumente ("open content") verweist auf die Entwicklung vielfacher Anschlüsse zwischen Initiativen und Projekten aus den verschiedensten Bereichen (etwa im Projekt Open Theory: http://www.opentheory.org/ oder Rolux: http://rolux.org/) Vgl. Volker Grassmuck: Die Wissensalmende:

http://mikro.org/Events/OS/interface5/wissens-almende.html

So nähern sich im Netz auch ästhetisch-künstlerische Arbeit und netzpolitische Arbeit einander an.

[25]         ... verkünden auch nicht einmal das “Ende des Buches oder der Literatur“ wie die gängige Geste in avantgardistischen Kunstproduktionen, etwa, wenn am Ende von Godard-Filmen emphatisch das “Ende des Kinos“ verkündet wird ...

[26]         ... der im Netz kritisiert, ergänzt, weitergeführt, kommentiert ... werden kann unter: http://www.hyperdis.de/txt/feedback/