mobile projekte schul projekte: antigone POETIK

ausstellung: foto-graphie - bio-graphie
9.05-12.05 2007

populärkultur: google vs. gutenberg blogger

DISKURS
HYPER.FIKTION
HYPER.TXT
HYPER-Texte werden nicht gelesen! Sie werden geschrieben!
Es gibt keinen Tod des Buches ... sondern eine neue Art zu Lesen und zu schreiben!

"Medien haben keine Adresse …
wie die ’Matrix’ in der modernen Science-Fiction,
sind sie überall und nirgends, einzelne und viele …
Sie sind nicht an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Ding,
sondern sie sind selbst jener Raum,
in dem Botschaften und Repräsentationen
sich entwickeln und zirkulieren." ( W.J.T. Mitchell)

Diese website ist eine Oberfläche, ein Durchgangsort, eine Schnittfläche, eine halb-durchlässige Membran, ein Netzwerk von Textbausteinen, ein Palimpsest, ein Wunderblock, eine Aufzeichnungsmaschine, eine Anweisung ...
Er ist durchsetzt von einem fadenscheinigen Netzwerk kultureller Verweise, vermischt mit Zitaten, Anspielungen, Transformationen, Entwendungen, Plagiaten ... gespeist aus einer Unzahl von Quellen, gekreuzt und durchsetzt mit Fremdmaterialen, vermischt mit anderen Medien ... Rhizomen, Fluchtlinien, Querverweisen ... aufgelesenen, gesammelten, gespeicherten, immer wieder umkopierten, angestrichenen Stellen ...
fast jedes Wort könnte unterstrichen sein, ein hotword, mit einem Link versehen ...
Dieser Text ist unlesbar, vielleicht weiter-schreibbar. Er wäre gern der Anfang …
eines experimentellen Collage-Romans, ein Gedicht wie Eliots ‘Waste Land‘ oder eine ‘extended footnote‘ wie Cortazars ‘Pale Fire‘, eine fiktive Herausgebernotiz, eine Party, ein rave, ein beat, ein Gastmahl, ein Rezept, eine Werkzeugkiste, ein Sample oder ein browser-plug-in, das die Leserin in die Lage versetzt, an jeder beliebigen Seite (im Netz) oder über Umwege am besten auch auf jeder beliebigen Seite irgendeines Buches aus der Bibliothek einen Kommentar anfügen zu können, am allerliebsten wäre er ein Virus, eine Waffe, ein Projektil, ein Programm, mit dem sich neue Texte, Samples, cut-ups, Programme ... herstellen lassen …

"... den fixierten Sinn der Sätze zerschneiden ... gedankenlose Touristen des Wortes einer Vibrations-Massage unterziehen ... das Medium ist Massage ... das Wort fällt ... und mit ihm das BILD dessen, was es bezeichnet, Durchbruch im grauen Raum ..."

erlösen die Hypertexte vielleicht wieder aus ihrem endlosen Verweiszusammenhang und der Beliebigkeit ihrer Verknüpfungen und strahlen aus auf die „Gestaltung" gesellschaftlicher Felder (virtuelle Arbeit, virtuelles Geld, virtuelle Wissenschaft, virtuelle direkte Demokratie, soziale Software ). Denn die Texte im Netz sind niemals geschlossen, finden kein definitives Ende ...

This website is a different one: a surface, a place of transition, a surface of intersection, a semi-permeable membrane, a network of text building blocks, a palimpsest, a mystic writing pad, a recording machine, instructions ...
It is interspersed with a flimsy network of cultural references, mixed with quotations, allusions, transformations, appropriations, plagerisms ... fed from innumerable sources, intersected and interspersed with foreign material, mixed with other media ... rhizomes, vanishing points, cross references ... come across, collected, stored, recopied again and again, marked passages ...
almost every word could be underlined, a hotword furnished with a link ...
This text is unreadable, maybe the writing could be continued. It would like to be the beginning of an experimental collage novel, a poem like Eliot's "Waste Land" or an extended footnote like Cortazar's "Pale Fire", a fictive publisher's note, a party, a rave, a beat, a feast, a recipe, a toolbox, a sample or a browser plug-in, enabling the reader to insert a commentary on any page (on the Net) or, better yet, by roundabout ways on any page of any book from the library, but it would like best to be a virus, a weapon, a projectile, a program, with which new texts, samples, cut-ups, programs ... could be made.

Literarische und diskursive Experimente, offene Kunstwerke, Junggesellenmaschinen, Text- und Buchmaschinen liefern den kulturellen Background für hypermediale Diskurstechniken und operieren mit einem intertextuellen Produktionsparadigma, das offene Textverarbeitungoperationen aus literarischen Experimenten und ästhetisch-sozialen Aufbruchbewegungen (wie DADA, Surrealismus, Situationismus) als allgemeine Nutzerparadigmen auferstehen lässt. Die in der Literaturgeschichte mehrfach aufgenommene Parole Lautréamonts: „Die Poesie soll von allen gemacht werden, nicht von einem", hallt jetzt als vielfach gebrochenes Echo aus den Untiefen des Netzes wider. Die Texte, Strukturen, Index-Systeme, Meta-Informationen, Verknüpfungsstrukturen zwischen den Texten liegen als „open source" im Netz bereit und könnten somit wiederum zu einer allgemeinen Revolutionierung literarischer und diskursiver Operationen im Netz führen.

Basierend auf der Systemtheorie von Niklas Luhmann liegen die Basisoperationen in vielfältigen nicht-linearen Verknüpfungsmöglichkeiten von Textstellen und Zitaten (automatische Verknüpfungen nach Keywords ebenso wie ein differenziertes Meta-Auszeichnungssystem für Personen- und Sachregister oder Zuordnungen und Zugriffsrechte für verschiedene AutorInnen) und in dynamischen diskursiven und kommunikativen Operationen (wie intuitive und assoziative Annotation und Kommentierung) begründet. Gerade diese Verbindung von hierarchischen und rhizomatisch-chaotischen Strukturen ermöglicht eine intertextuelle Praxis des Schreibens mit Synergieeffekten zwischen Lesen und Schreiben, wie sie in den emphatischen Debatten um den Text-Begriff in den sechziger Jahren und im Poststrukturalismus theoretisch entwickelt wurde. ...

nic-las is a vital digital medium, which (at least partially) does what users want to imagine. nic-las creates the possibility of inscribing oneself into the open digital spaces and still remaining observable there for oneself, to begin with, and others. based on the systems theory of niklas luhmann, the basic operations are found in the manifold non-linear possibilities for linking text passages and quotations ...

"Man wird vielleicht einmal in Massen schreiben, denken und handeln" (Novalis)

"Das Buch ist das radikalste Interface für den Entwurf virtueller Welten [...]. Plötzlich flackert der Bildschirm. [...] Es wurde gesprochen, getanzt, gesungen, geliebt, verdoppelt, erzählt, geknotet, gebetet, wiederholt, rezitiert, vergessen, eingeritzt, eingebrannt, gemalt, gemeißelt, geschrieben, in Tabellen gelistet, in magischen Formeln versteckt, gedruckt, gebunden, verlegt, als Fußnote an den Rand gedrängt, indiziert, gereimt, gezählt, formalisiert, kodiert, kompiliert, gespeichert, gescannt, als Muster wiedererkannt, übertragen, gefaxt, verschlüsselt, komprimiert, optimiert, transformiert, konvertiert, genormt, gelöscht, gelinkt, überschrieben, als Absprungsort markiert, zum Objekt erklärt, als Programm aktiviert, das Worte schafft [...]. Das Universum, das andere die Bibliothek nennen, setzt sich aus einer undefinierten, womöglich unendlichen Zahl ineinander verschachtelter Bildschirme zusammen."

„Heute wissen wir, dass ein Text nicht aus einer Reihe von Wörtern besteht, die einen einzigen, irgendwie theologischen Sinn enthüllt (welcher die &Mac226;Botschaft‘ des Autor-Gottes wäre), sondern aus einem vieldimensionalen Raum, in dem sich verschiedene Schreibweisen [écritures], von denen keine einzige originell ist, vereinigen und bekämpfen. Der Text ist ein Gewebe von Zitaten aus unterschiedlichen Stätten der Kultur. [...] Ein Text ist aus vielfältigen Schriften zusammengesetzt, die verschiedenen Kulturen entstammen und miteinander in Dialog treten, sich parodieren, einander in Frage stellen. Es gibt aber einen Ort, an dem diese Vielfalt zusammentrifft und dieser Ort ist nicht der Autor [...], sondern der Leser. Der Leser ist der Raum, in dem sich alle Zitate, aus denen sich die Schrift zusammensetzt, einschreiben, ohne dass ein einziges verloren ginge. Die Einheit eines Textes liegt nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Zielpunkt. [...] Die traditionelle Kritik hat sich niemals um den Leser gekümmert; sie kennt in der Literatur keinen anderen Menschen als denjenigen, der schreibt. [...] Wir wissen, dass der Mythos umgekehrt werden muss, um der Schrift eine Zukunft zu geben. Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors." (Roland Barthes)

Nicht das Taschenbuch, die mailbox, der Hypertext oder das ebook ist revolutionär, sondern der Gebrauch, den wir davon machen.

Anfangen kann man überall: bei der Bibel, dem Koran oder besser noch bei der Thora: endlose Mitschriften, Abschriften, Randbemerkungen, Fälschungen, Streichungen. Social Text : keine einzige identische Kopie klassischer Schriften ist aufzufinden. Homer hat sich als ein Mythos herausgestellt, als reine auktoriale Konstruktion für ein Bündel von mündlich tradierten Texten. Die Märchen wurden immerhin mündlich weitergegeben und konnten somit, je nach Kontext, variiert werden. Was so einfach und eindeutig mit "es war einmal" anfängt, endet oft mit süffisanten Anspielungen auf den Akt des Erzählens. Der Erzähler wird manchmal sogar noch zu einem opulenten Essen (am Ende des Märchens) eingeladen, ein anderes Mal gibt er noch ein paar bissige Kommentare außerhalb der eigentlichen Erzählung ab.

Diese HYPER-Texte sind kompatibel, sie laufen auf verschiedenen Plattformen, Betriebssystemen, diskursiven Konstellationen als work-in-progress weiter, wobei sie den Leserinnen verschiedene Oberflächen, Lese-Optionen, Darstellungsweisen, Interfaces … anbietet - zuweilen auch mit Schreibmöglichkeiten, Eingabefeldern ...
Leerstellen - eine Möglichkeitsformen … ein Viren im Kopf der Leserin …

„Die Poesie muß von allen gemacht werden! [...] Die Urteile über die Poesie haben mehr Wert als die Poesie selbst. Sie sind die Philosophie der Poesie. [...] Das Plagiat ist notwendig, der Fortschritt schließt es ein. Es folgt eng dem Satz eines Autors, bedient sich seiner Ausdrücke, tilgt eine falsche Idee, ersetzt sie durch eine richtige Idee. [...] Die Poesie muß die praktische Wahrheit als Ziel haben. [...] Ein Dichter muß nützlicher sein als irgendein anderer Bürger seiner Sippe. [...] Es gibt nichts Unverständliches. [...] Die Verzweiflung führt den Literaten unerschütterlich zur massenhaften Abschaffung der göttlichen und gesellschaftlichen Gesetze und zur rhetorischen und praktischen Bosheit. [...] Ich werde keine Memoiren hinterlassen. [...] Es gibt eine wenig stillschweigende Übereinkunft zwischen dem Autor und dem Leser, gemäß der der erstere sich als Kranker bezeichnet und den zweiten als Krankenwärter akzeptiert. Es ist der Dichter, der die Menschheit tröstet. Die Rollen werden willkürlich vertauscht. [...] Von den Worten zu den Gedanken ist es nur ein Schritt. [...] Jetzt Musik!"
(Lautreamont)